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Muzak

engl. Kofferwort aus dem zugrundeliegenden music sowie Kodak (die Firma hatte der Worterfinder Squier sehr bewundert, weil sie mit den neuen Technologien zum Weltunternehmen geworden war); im Dt. neben Muzak auch: Musak; auch mehr oder minder abfällig: Kaufhausmusik, Fahrstuhlmusik, Hintergrundmusik, Berieselungsmusik; Dudelmusik, Plätschermusik, Pinkelmusik

Muzak ist eine Bezeichnung für Hintergrundmusiken, die in Restaurants, Fahrstühlen, Kaufhäusern, Hotels und manchen Arbeitsumgebungen, aber auch als Pausenzeichen in Telefonsystemen und dergleichen mehr eingesetzt werden. Es handelt sich um funktionelle Musiken, die vom Hörer unbewusst wahrgenommen werden sollen, um ihn heiter zu stimmen und um eine entspannte Atmosphäre beim Einkauf oder bei der Arbeit zu schaffen. Eine oft geäußerte Anforderung an Muzak lautet: heard but not listened, was darauf hindeutet, dass die Musiken keine eigentliche Zuwendung erfahren sollen. Um den Aufmerksamkeitspegel auf einem niedrigen Niveau zu halten), handelt es sich meist um rein instrumentelle Musiken; die Beschallung erfolgt indirekt, der Lautstärkepegel liegt nur geringfügig über dem Pegel des Umgebungsgeräuschs; musikalisch wird auf Dissonanzen weitestgehend verzichtet, die Formen sind äußerst einfach; in der Gastronomie und in Geschäften, die der Lifestyle-Ökonomie zugerechnet werden können, werden allerdings oft auch Schlager aus dem jeweils zeitgenössischen Repertoire verwendet, abgestimmt auf den besonderen nationalen oder subkulturellen Stil der Restaurants („chinesischer Sound“ im chinesischen Restaurant, „italienischer“ im italienischen).
Funktionell geht es nicht nur um die „Berieselung“ des Kunden, sondern um das Fernziel einer unbewussten Steuerung des Kunden oder Gastes, der in ein ihm gewohntes Sounddesign eintreten kann. Einerseits werden die akustisch so abgesetzten Räume als „vertraute Räume“ ausgewiesen – ein audio branding, das Restaurants und Geschäfte subkulturell verortet; andererseits spekuliert der Einsatz darauf, dass nicht nur die Stille, die als unangenehm empfunden wird, überlagert wird, sondern zudem eine latente Konsumbereitschaft induziert wird. Insofern gehört Muzak zu den „geheimen Verführern“ der Produktwerbung, wenngleich dieser Effekt heute umstritten ist, weil die Seichtigkeit der eingesetzten Musiken auch deutlich erkennbare Abwehrreaktionen hervorruft. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass  zunehmend Musiken aus dem Repertoire klassischer Musik (wie Beethovens Für Elise, Vivaldis Vier Jahreszeiten oder Orffs Carmina Burana) im Muzak-Kontext eingesetzt werden.
Muzak als Inbegriff der funktionellen Musik ist nach der 1934 von dem General a.D. George Owen Squier gegründeten amerikanischen Firma Muzak Inc. (heute: Alcas Muzak) benannt. Squier war Leiter des amerikanischen Nachrichtenkorps im Ersten Weltkrieg und interessierte sich stark für die Einsatzmöglichkeiten der damals neu aufkommenden Kommunikationsmittel Telefon und Radio. Marketinghistorisch gehört Muzak zu den Strategien des social engineering, das auf die methodische Steuerung von Belegschaften und Kunden, auf die Rationalisierung von Bewegungs‑ und Arbeitsabläufen ausgerichtet war. Ganz im Sinne dieser Wirkungsannahme werden Muzak-Musiken bis heute als Mittel der psychoakustischen Beeinflussung (etwa mit dem Ziel der Aggressionshemmung) - v.a. in den nordamerikanischen Staaten - in öffentlichen Räumen wie z.B. Bahnhöfen eingesetzt. 

Literatur: Art. „Muzak“. In: Wikipedia. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Muzak (Zugriff: 14.12.2008). - Barnes, Stephen H.: Muzak, the hidden messages in music. A social psychology of culture. Lewiston, N.Y.: Mellen 1988 (Studies in the History and Interpretation of Music. 9.). – Haselauer, Elisabeth: Berieselungsmusik. Droge und Terror. Wien: Böhlau 1986. – Lanza, Joseph: Elevator music. A surreal history of Muzak, easy‑listening, and other moodsong. Rev. and expanded ed. Ann Arbor, Mich.: University of Michigan Press 2004. Zuerst 1995. 

Referenzen