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nagare-mono

auch: nagaremono; von jap.: nagare = „Strom, Strömung“ (das Verb nagare-aruku bedeutet „herumstreunen“) + mono = „Geschichte, Erzählung, Spielfilm“; eigentlich: „-Ding“; im Englischen spricht man von Drifters-Filmen

Fortsetzung des Matatabi-mono im Bereich des Yakuza-mono und der Jugendbandenfilme. Filme dieser Art thematisieren das individuelle Aufbegehren gegen den spezifisch japanisch geprägten Zwang zum Gruppenzusammenhalt und kreisen um die jingi genannten fünf ethischen Werte des Konfuzianismus: Güte, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Weisheit und Aufrichtigkeit.
Das Subgenre wird in den späten 1950er Jahren von Schauspielern wie Yujirô Ishihara (1934-1987) in Filmen wie Arashi o yobu Otoko (Tokio Pigalle, 1957, Umeji Inoue) geprägt und etwas später dann von Ken Takakura (1931) gefestigt, insbesondere in der beliebten Serie vom Abishiri Bangaichi (Abishiri Prison, 1965ff., Teruo Ishii). Seit Mitte der 1960er Jahre erscheint das Genre dann in seinen Filmtiteln indiziert, z.B. in: Tairiku Nagaremono (1966, Kosaku Yamashita), Tôkyô Nagaremono (Tokyo Drifters, 1966, Seijun Suzuki), Bakuchi-uchi: Nagaremono (1970, Kosaku Yamashita), Zubekô Banchô: Tokyo Nagare Mono (Tokyo Wanderers) (1970, über eine Mädchenbande).
Der jingi-Kodex selbst wird titelgebend in Kinji Fukasakus Filmserien über Yakuza-Gangster: Jingi naki Tatakai (The Yakuza Papers, 1973-74) und Shin jingi naki Tatakai (1974-76) (nebst einigen Nachläufern). Schließlich ist der Übergang zum eigentlichen Yakuza-mono fließend und wird seit den frühen 1970er Jahren immer manifester. Auch noch in neueren Produktionen wie z.B. in Katsuhiro Ôtomos AKIRA (1988), einem Science-Fiction-Cyber-Politthriller als Comic-Verfilmung um die Auseinandersetzungen einer Motorradbande mit einem geheimen Regierungsprojekt, sind die Züge des nagare-mono zu erkennen.

Literatur: Standish, Isolde: "Akira", postmodernism and resistance. In: Martinez, D[olorez] P. (ed.): The worlds of Japanese popular culture: gender, shifting boundaries and global cultures. Cambridge [u.a.]: Cambridge University Press 2003, S. 56-74, bes. S. 72, Anm. 18-19. – Tayama, Rikiya: "Abishiri Bangaichi": nagare-mono no erejii. In: Shinario (Tôkyô) 22,10, Oktober 1966, S. 134-137.

Referenzen