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Narratologie

Die Narratologie hat verschiedene Versuche unternommen, Strukturen von Geschichten zu bestimmen. Einflußreich war Todorovs Äquilibriumsmodell, das eine Geschichte beschreibt als Abfolge dreier Phasen: Zunächst ist der Anfangszustands der fiktionalen Welt ausbalanciert; sodann erfährt er eine Störung und wird durch das Handeln der Charaktere in einen neuen, wiederum stabilen Endzustand überführt. An diese strukturalistische Forschungstradition knüpfen zeitgenössischen Erzähltheorien an, die die morphologische Grundform einer Geschichte als Verhältnis von Exposition, Komplikation und Resolution bestimmen und sie nach dem Muster von Satzbauplänen als „Grammatik“ der Geschichte ausweisen (manchmal differenzierter gefasst als Setting, Reihe von Episoden [Beginn – Entwicklung – Reaktion], Ergebnis: Moral, Resümee). Die Grundvorstellung derartiger Analysen ist eine geschlossene, einfache, kanonisierte und zeitlich lineare Geschichte (d.h. ein nur sehr begrenzter Ausschnitt des Formenbaus von Geschichten). Konsequenterweise bilden sogenannte Geschichten-Grammatiken (Story Grammars) oft die Zielvorstellung der Untersuchung, die von den besonderen Bedingungen des Erzählens mittels Film, verbaler Sprache, dramatischer Aufführung zu abstrahieren versuchen. Solche Analysen der Tiefenstrukturen von Geschichten erfassen also die (medien)spezifischen Techniken und Strategien bei der Ausfaltung und Präsentation einer Geschichte während des Erzählvorgangs nicht.

Literatur: Chatman, Seymour: Story and Discourse. Narrative Structure in Fiction and Film. Ithaca/London: Cornell University Press 1978. – Gülich, Elisabeth: Die Modelle von Claude Bremond und Tzvetan Todorov als Beispiele für einen strukturalen Ansatz. In: Elisabeth Gülich / Wolfgang Raible: Linguistische Textmodelle. Grundlagen und Möglichkeiten. München: Fink 1977, S. 202-250. – Jason, Heda / Segal, D. (eds.): Patterns in oral literature. The Hague/Paris: Mouton 1977.

Referenzen