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Neue Welle

engl.: new wave

Unter dem Schlagwort „neue Welle“ verbirgt sich die historiographische Modellvorstellung, dass in den verschiedenen Filmnationen seit den späten 1950er Jahren Erneuerungsbewegungen sich gegen den konventionellen Stil der etablierten Produktionsfirmen formiert haben, die das Kino auf andere ästhetische und politische Ziele verpflichten wollten als pure Unterhaltung. Zu den Hauptauslösern dieser „Neuen Wellen“ gehört die französische Nouvelle Vague (wörtlich: „neue Welle“) zu Beginn der 1960er Jahre, die in Europa, Amerika und Asien ähnliche, wenn auch zeitlich zum Teil erheblich verzögerte Bestrebungen hervorgerufen hat. Gemeinsamer Nenner der ansonsten höchst unterschiedlichen Filmgruppen ist das breite Filmwissen der Filmemacher und -macherinnen, das sich oft in reflexiven und ironischen Anspielungen auf die konventionellen Mittel des Kinos ausdrückt, die hohe Wertschätzung von Stilrichtungen wie Film noir, Neorealismus oder Direct Cinema, die bewusste und oft polemische Absetzung von der hochartifiziellen Filmsprache Hollywoods, die oft politisch-kritische Distanzierung von uninspirierter Massenware sowie ein Bemühen um einen politisch verstandenen Realismus. Während die Neuen Wellen in Osteuropa und Japan zeitlich enger an die Nouvelle Vague anknüpfen und in aktuellerem Zusammenhang mit ihr stehen, finden die Bewegungen anderer Länder (Indien, Iran, Taiwan u.a.) Manchmal viel später statt. Sie sind auch insofern oft anders gelagert, als die erste „Neue Welle“ inzwischen verebbt und daher selbst zum filmhistorischen Gegenstand geworden ist. Gegenbewegungen gegen das angestammte Kino, seine ästhetischen Maßstäbe und Formate und seine Machtstrukturen haben sich als ästhetische oder politische Positionen verstanden, sie haben sich als unabhängiges Kino, als Filmförderungskino oder in unmittelbarer Nähe von Produktionsgesellschaften die Produktionsmittel zu verschaffen versucht.

Referenzen