Metainformationen zur Seite
  •  

nurturing woman

auch: good woman; v. engl.: to nurture = (er)nähren, hegen, pflegen

Innerhalb des seit der Stummfilmzeit und später insbesondere im Film noir genutzten 4-Typen-Schemas für filmische Frauencharaktere (die autonome femme fatale – die hegende nurturing woman – das heiratsfähige good-bad girl – das vom Pech verfolgte female victim bzw. damsel-in-distress) ist die nurturing woman charakterlich der polare Gegenentwurf zur femme fatale: Sie ist ungefährlich und unsexy, erscheint langweilig, alltäglich, ohne Eigeninteressen. Als gute Hausfrau und liebevolle Mutter, die sich mit engelsgleicher Geduld ganz für die Familie aufopfert und eigene Ziele – sofern überhaupt vorhanden – klaglos denen ihres Mannes unterordnet, ist das sprichwörtliche „Heimchen am Herd“ trotzdem für jeden Mann, der sie begehrt, genauso unerreichbar wie ihr gefährlicher Gegenpol, die femme fatale.
Auf die Spitze getrieben wird das irreale Modell der nurturing woman mit der – niemals gezeigten, stets nur erwähnten – Mrs. Columbo als treusorgender Gattin des Protagonisten aus der gleichnamigen TV-Kriminalserie. Mrs. Columbo (die nicht einmal einen Vornamen zu tragen scheint) ist zwar für Mr. Columbo eminent wichtig und allgegenwärtig, für alle anderen aber so unscheinbar, dass sie gar nicht erst in Erscheinung tritt.
Einen höchst interessanten Versuch, das genannte Schema zu durchbrechen, unternimmt Robert Altmann in seinem Film Thieves Like Us (USA 1974), der während der Depressionszeit im kleinkriminellen Milieu erfolgloser Bankräuber im Mittleren Westen angesiedelt ist, mit der Figur der jungen Farmerstochter Keetchie Mobley (Shelley Duvall).

Literatur: Blaser, John: No place for a woman: the family in film noir. URL: http://www.lib.berkeley.edu/MRC/noir/np01intr.html. – Kaufmann, Kai: Das Geschlechterverhältnis im amerikanischen Film noir. Alfeld/Leine: Coppi-Verlag 1997. – Place, Janey: Women in film noir. In: Kaplan, E. Ann (ed.): Women in film noir. London: British Film Institute 1978; new ed. 2001 [u.ö.], S. 47-68, bes. S. 50-54.

Referenzen