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Obsoleszenz

v. lat.: obsolescere = sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen, an Wert verlieren

(1) Allgemeine Bezeichnung für die Tatsache, dass Produkte oder Wissensbestände auf natürliche oder künstlich beeinflusste Art veraltet sind oder altern. In der Mediengeschichtsschreibung wird der Begriff gelegentlich verwendet – angesichts der neuen digitalen Medien resp. der digitalen Möglichkeiten der Filmproduktion und -distribution werden alte analoge Medien und Verfahren obsolet. Allerdings bleiben die alten Produkte funktionsfähig (man spricht dann von funktioneller Obsoleszenz), auch wenn dafür neue Bedingungen hergestellt werden müssen. Die Wiedergabe analog realisierter Filme etwa ist nach der Digitalisierung in der Kino-Alltagspraxis auf Techniken jenseits des traditionellen Projektors angewiesen, die das Digitalformat auch in der Projektion nutzen können.

(2) Eingebürgert ist Obsoleszenz vor allem als Benennung des Archivierungsproblems digitaler Medienwerke (und von Datenbeständen anderer Art): Die Speicherung von Digitalwerken ist in sich obsolet, weil die Lesbarkeit der Daten angewiesen ist auf spezifische Software, die unter Umständen nicht abwärtskompatibel ist, wenn Daten aus einem älteren Format in ein neues Speicherformat algorithmisch übersetzt werden müssen (Transkodierung). Obsoleszenz betrifft nicht nur die digitalen Formate, sondern alle elektromagnetischen Trägersysteme. Die Produkte der Computerkunst, Videokunst und -dokumentation etwa sind auf Digitalisierung angewiesen, um Kopierverluste zu vermeiden.

 

Literatur: Deggeler, Kurt: Bestandserhaltung audiovisueller Dokumente. Berlin: De Gruyter Saur 2014. – Serexhe, Bernhard (Hrsg.): Konservierung digitaler Kunst: Theorie und Praxis. Das Projekt digital art conservation. [...] Wien: Ambra V / Karlsruhe: Zentrum für Kunst und Medientechnologie 2013. – Work/s in Progress. Digital Film Restoration Within Archives. Ed. by Kerstin Parth, Oliver Hanley & Thomas Ballhausen. Wien: SYNEMA Gesellschaft für Film und Medien 2013.