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Off-Space

Im Deutschen wird der Begriff des filmischen Off häufig missverständlich gebraucht. Eindeutig festlegend ist aber die Ergänzung um die Dimension des Raums (engl. space), noch deutlicher in der längeren Variante off-screen-space: Beim filmischen Off handelt es sich um einen Raum, der sich außerhalb des „Rahmens“ befindet, außerhalb des auf der Leinwand sichtbar werdenden Handlungsraumes. Der Filmtheoretiker Noel Burch hat die vier Seiten des Leinwandrahmens im Kino als off-screen-space definiert: oben und unten, links und rechts. Dazu tritt nach Burch die in der Regel tabuisierte Zone des Nach-Vorne, zum Zuschauer hin, sowie die Tiefenerstreckung des Bildes, wohin der einsame Reiter am Ende eines Western entschwindet. Ist eine Figur „in der Nähe“ des Bildes, ist sie in der Vorstellung des Zuschauers anwesend. Den immersiven Effekt macht sich der Horrorfilm zunutze, indem er die Erwartung des Auftritts zur Anspannung des Zuschauers nutzt; ein Meisterstück in dieser Hinsicht ist Halloween (1978, John Carpenter).

Literatur: Burch, Noël: Theory of Film Practice. New York: Praeger/London: Secker & Warburg 1973. – Brockmann, Till: Off-screen. Die Relevanz des Unsichtbaren. In: Neue Zürcher Zeitung, 16.6.1995. – Fischer, Lutz: Perspektive und Rahmung. Zur Geschichte einer Konstruktion von ‚Natur’. In: Harro Segeberg (Hrsg.): Die Mobilisierung des Sehens. Zur Vor- und Frühgeschichte des Films in Literatur und Kunst. Stuttgart-Weimar: Metzler 1996, S. 69-96. – Schmid, Hans: Fenster zum Tod. Der Raum im Horrorfilm. München: Belleville 1993.