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Orpheus im Film

Die antike mythologische Figur des Orpheus lebt in der Filmgeschichte Jenseitswanderer weiter – und als Liebender, der die Geliebte, die vom Tod geraubt wird, verzweifelt wieder aus dem Hades heraufzubeschwören sucht. Die Orpheus-Figur ist Sinnbild für die Liebe, die sich mit der vom Schicksal gefügten Trennung nicht einverstanden erklärt – fast eine prometheische Figur, die gegen den ‚Ratschluss der Götter‘ aufbegehrt. Die Filmgeschichte nimmt sich schon früh dieser Konstellation an (A Love Sublime, USA 1917, Tod Browning), hat den Stoff komisch und tragisch behandelt (bis zu Vom Suchen und Finden der Liebe, BRD 2005, Helmut Dietl), umfasst sogar Musicals (angelehnt z.B. an Jacques Offenbachs Operette Orpheus in der Unterwelt, 1858) – und findet mehrfach Bilder existentieller Not und Grenzüberschreitung für das, was geschieht, man denke an Jean Cocteaus Orphée (Frankreich 1949) und sein Le Testament d’Orphée, ou ne me demandez pas pourquoi! (Frankreich 1960), vor allem auch an Marcel Camus‘ Orfeu Negro (Brasilien/Frankreich/Italien 1959).