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Outlaw couple film

auch: outcast couple film, outlaw couple movie; von engl. outlaw = ‚jemand, der außerhalb des Gesetzes steht; ein aus der Rechtsgemeinschaft Verbannter, ein Verstoßener‘

Seit Robin Hood, dem edlen Räuber von Sherwood Forest, haftet dem Outlaw immer auch ein Element der Freiwilligkeit und Berechtigung seines objektiv kriminellen Tuns an, wodurch er zum Volkshelden und Gegenstand populärer Erzählungen und Alltagsmythen wird. Oft bildet eine initiale Untat (als eine Art von Initiationsrite) den Beginn der Beziehungsfindung, die zu verschiedenen Formen eines psychotischen „call to adventure“ Anlass geben kann – insofern eine Motivierung des Umstands, dass zahlreiche outlaw couple-Filme als road movies inszeniert sind, die die Ausfahrt des Heldenpärchens und seine meist als Negativkopie des American Dream konzipierte Abenteuerreise bis zu ihrem bitteren Ende zeigen.

Direkt auf dem Robin-Hood-Modell aufgebaut ist die Geschichte des impotenten Bankräubers Clyde Barrow (Warren Beatty) und seiner ihm verfallenen Geliebten Bonnie Parker (Faye Dunaway) in Bonnie and Clyde (USA 1967, Arthur Penn), an dessen Geschichte sich viele Filme mit dem outlaw couple-Motiv ausrichten, wie etwa Robert Altmans Thieves Like Us (USA 1974) oder auch Ridley Scotts Thelma & Louise (USA 1991); er erzählt die Geschichte eines von ihren Eheleben frustrierten Frauenpaars bis zu ihrem als Apotheose inszenierten artistischen Freitod. Eine Destruktion des Outlaw-Mythos führt Robert Altman in seinem Antiwestern McCabe & Mrs. Miller (USA 1971) vor: Zwei gesellschaftliche Außenseiter tun sich zu Geschäftszwecken zusammen: Warren Beatty als Falschspieler, Zuhälter und Möchtegern-Drogenbaron und Julie Christie als Opium rauchende Bordell-Betreiberin verdienen an schuftenden Bergarbeitern, bis es den Industriebossen zuviel wird. Verknüpfungen mit dem Motiv des irren Serienkillers finden sich in dem road movie Kalifornia (USA 1993, Dominic Sena) und in Natural Born Killers (USA 1994, Oliver Stone), in dem das psychopathische Serienkillerpaar Mickey und Mallory Knox als Gegenstand eines Medienhypes vorgeführt wird. Psychotisch zu nennen ist auch die Beziehung des erfolglosen Räuberpärchens Pumpkin/Ringo und Honey Bunny/Yolanda zu seiner Umwelt in Pulp Fiction (USA 1994, Quentin Tarantino), so wie auch das sadomasochistisch zu deutende lesbische Verhältnis zwischen der wahllos mordend über Nordenglands Autobahnen trampenden, halluzinierenden Eunice und der ihr hörigen, schwerhörigen Verkäuferin Miriam/Judith in Butterfly Kiss (UK 1995, Michael Winterbottom).

Literatur: Creekmur, Corey K.: On the run and on the road: fame and the outlaw couple in American cinema. In: The road movie book. Ed. by Steven Cohan / Ina Rae Hark. London / New York: Routledge 1997, S. 90-112. – Leong, Ian / Sell, Mike / Thomas, Kelly: Mad love, mobile homes, and dysfunctional dicks: On the road with Bonnie and Clyde. In: The road movie book. Ed. by Steven Cohan, Ina Rae Hark. London / New York: Routledge 1997, S. 70-89.
 

Referenzen