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Paralipse / Paralepse

Paralipse: vom französischen Narratologen Gérard Genette verwendeter Begriff, um in einer Erzählung nicht-zeitliche Auslassungen oder „Lateralellipsen“ zu bezeichnen. Der Terminus betrifft die Unterdrückung eines für eine geschilderte Situation wichtigen Elements innerhalb eines Zeitraums, der von der Erzählung grundsätzlich abgedeckt wird; wie die zeitliche Ellipse drängt auch die Paralipse zur nachträglichen Ausfüllung, z.B. in einer Rückwendung. Insofern ist sie charakteristisch für unzuverlässiges Erzählen und narrative Vorenthaltungen, die David Bordwell als „eingeschränkte Mitteilungsbereitschaft“ (communicativeness) der Narration und typisch für den Modus des Kriminalfilms bezeichnet. Paralipsen können u.a. in repetitiven Erzählungen (mit verschiedenen Versionen desselben Ereignisses) vorkommen; eindrückliche Beispiele für Rückwendungen zu bereits präsentierten Szenen mit neuen dramatischen Offenbarungen liefern Quentin Tarantinos Gangsterfilme Pulp Fiction (USA 1994) und Jackie Brown (USA 1997).
Im Gegensatz dazu fasst Genette die Paralepse als eine überschüssige Information, die von der Narration hätte weggelassen werden sollen; ein Beispiel wäre eine null- oder extern fokalisierte Erzählung, in der plötzlich intern fokalisierte Informationen (etwa die Gedanken einer Figur) auftauchen, welche das Wissen eines homodiegetischen Erzählers überschreiten und stattdessen eine auktoriale (allwissende) Erzählinstanz nahelegen.

Literatur: Genette, Gérard: Die Erzählung. München: Fink 1994. – Bordwell, David: Narration in the Fiction Film. London: Routledge 1993; zuerst: London: Methuen 1985.

Referenzen