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Paranoider Thriller: Geschichte

Geprägt wurde der Begriff des paranoid thriller von der amerikanischen Filmkritik in den 1970er Jahren, als im Gefolge von politischen Attentaten (Kennedy-Morde), Vietnamkrieg und öffentlichen Skandalen, insbesondere Watergate, eine Reihe konspirativer Hollywoodfilme realisiert wurden, darunter Alan J. Pakulas sogenannte Paranoia-Trilogie (Klute, 1971; The Parallax View, 1974; All the President‘s Men, 1976), Francis Ford Coppolas von Blow-up (Michelangelo Antonioni, Großbritannien 1966) inspirierter Überwachungsthriller The Conversation (1974) und Sydney Pollacks Spionage-Thriller Three Days of the Condor (1975). Wichtige Beispiele des Verschwörungsfilms der 1970er entstanden nach Costa-Gavras’ international erfolgreichem Politthriller Z (Frankreich 1969) auch in Europa, darunter I … comme Icare von Henri Verneuil (Frankreich 1979), während Francesco Rosi seine in den 1960ern begonnene Durchleuchtung der mafiösen und verfilzten Gesellschaft Italiens fortsetzte, zuletzt mit Cadaveri eccellenti (Italien/Frankreich 1976).
Nachträglich gesehen muss der paranoide Thriller einerseits in seiner Genese historisch zurückdatiert werden, über John Frankenheimers Gehirnwäsche-Thriller The Manchurian Candidate (USA 1962) hinaus bis zu den Mabuse-Filmen Fritz Langs in den 1920er und 1930er Jahren und Feuillades Meisterverbrecher-Serien der 1910er Jahre, darunter Les vampires (Frankreich 1915–16); andrerseits ist die Form seit den 1970er Jahren nicht aus dem Kino verschwunden, sondern erfreut sich, wie etwa die jüngst entstandenen Filme The Interpreter (USA 2005, Sydney Pollack), The Constant Gardener (Großbritannien 2005, Fernando Meirelles) oder Syriana (USA 2005, Stephen Gaghan) belegen, bester Gesundheit, wenn auch unter den veränderten Vorzeichen von Globalisierung und dem post-9/11 war on terror.

Literatur: Rosenbaum, Jonathan: Paranoia Rising. Origins and Legacy of the Conspiracy Thriller. In: Scenario 5,1, 1999, S. 8–9, 191–192. – Naziri, Gérard: Paranoia im amerikanischen Kino. Die 70er Jahre und die Folgen. St. Augustin: Gardez! 2003. – Pratt, Ray: Projecting Paranoia. Conspiratorial Visions in American Film. Lawrence: University Press of Kansas 2001.

Referenzen