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Pathologischer Killer I

auch: Psychopathie, psychopathischer Mörder; engl.: social parasitism, moral defective personality

Wenn bestimmte charakterologische Merkmale das Verhalten von Figuren dominieren und dadurch erhebliche Störungen im Erleben oder in den Umweltbeziehungen eintreten, so spricht man von „abnormer“ oder „psychopathischer“ Persönlichkeit. Die Darstellung des Kapitalverbrechens „Mord“ im Film berücksichtigt von Beginn der Filmgeschichte an nicht nur solche Fälle, in denen aus Beweggründen wie Eifersucht, Habgier oder im Affekt getötet wird, sondern schließt auch pathologische Verbrecher ein. So beschäftigt sich bereits 1903 der Kurzfilm The Life of a London Bobby (Großbritannien 1903) von George A. Smith mit den offensichtlich sexualpathologisch motivierten Morden von Jack the Ripper, welcher 1888 fünf Londoner Prostituierte tötete und deren Leichen verstümmelte. Die Figur des pathologischen Killers findet sich vor allem im Thriller und Psychothriller, seltener im Kriminalfilm. Von Beginn an wird das Pathologische meist als Krankheit begriffen, die der Figur selbst bewusst ist: Sie leidet daran, morden zu müssen – sei es in Form von Serienmorden und/ oder Sexualdelikten –, selbst wenn ihr vor ihrem eigenen Tun graut. Gerade dadurch hat sie das Potenzial, Mitleid auszulösen und steht insofern als Gegensatz zur menschlichen Bestie da, die sich gesellschaftlichen Maßstäben entzieht, weder bestrafbar noch resozialisierbar ist und kaum je Mitleid, dafür aber Grauen provoziert (und entsprechend eher im Horrorfilm anzutreffen ist). In komischen Genres erscheinen pathologische Killer so gut wie nie, allenfalls werden sie mit schwarzem Humor angereichert.
Seine gesellschaftlich-metaphorische Funktion als „Indikator“ für soziale und politische Missstände verliert der Filmtäter aber bis ins Kino der Gegenwart ebensowenig wie seine Funktion als Rationalisierungsobjekt für den hinter ihm stehenden, irrationalen (weil pathologischen) Verbrechenstypus. Insbesondere wird der pathologische Killer durch seine Narrativierung zurück ins Reich der Vernunft geholt und – gerade bei Filmen auf der Basis authentischer Fälle – der Gesellschaft damit die psychologische Rationalisierung des Irrationalen und Verarbeitung des Traumas ermöglicht.

Literatur: Brückweh, Kerstin: Mordlust. Serienmorde, Gewalt und Emotionen im 20. Jahrhundert. Frankfurt/New York: Campus 2006. – Fellner, Markus: Psycho Movie. Zur Konstruktion psychischer Störung im Spielfilm. Bielefeld: Transcript 2006. – Simpson, Philip L.: Psycho paths. Tracking the serial killer through contemporary American film and fiction. Carbondale [...]: Southern Illinois University Press 2000.

Referenzen