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Pathologischer Killer II

auch: Psychopathie, psychopathischer Mörder; engl.: social parasitism, moral defective personality

Der Mörder, seine Motive, seine Detektion sind von Beginn an zentrale Gegenstände des Kriminalfilms. Seit dem Kino der Weimarer Zeit rückt der Filmtäter selbst verstärkt in das Zentrum der Erzählungen. Neben seinen Darstellungen als Meisterverbrecher (wie in Fritz Langs Doktor-Mabuse-Filmen) ist er jedoch immer auch als psychisch gequälte Kreatur inszeniert worden. Markante Frühwerke, die die Krankhaftigkeit des Mörders betonen, waren Robert Wienes Das Cabinett des Doktor Caligari (Deutschland 1920) oder Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931). Diesen wie auch etlichen anderen Werken in den darauffolgenden Jahrzehnten ist gemein, dass sie die psychologischen Ursachen des Mordes erforschen wollen, dabei den Killer sowohl als „durch die gesellschaftlichen Umstände“ krank Gewordenen hinstellend als auch ihn selbst als „Krankheit der Gesellschaft“ stigmatisierend. Bei Wiene im Motiv der Hypnose und Lang in der Figur des Skriptologen bereits angelegt, ist die psychologische und psychoanalytische Annäherung an die Täterpersönlichkeit. Diese erfährt dann vor allem in der schwarzen Serie (Robert Siodmaks Follow Me Quietly, USA 1949, oder Edward Dmytryks The Sniper, USA 1952) eine starke Ausdifferenzierung und wird später immer wieder forciert (Hitchcocks Psycho, USA 1960), kritisiert (Jonathan Demmes The Silence of the Lambs, USA 1990) oder persifliert (Joe Dates The Howling, USA 1980). In den Serienmörderfilmen ab den 1970er Jahren ist der pathologische Filmmörder schließlich eine mit festen Regeln eingeführte Figur, an der sich Erwartungshaltungen der Zuschauer messen und entwickeln lassen und in der sich das vulgärpsychologische Wissen der Popkultur spiegelt.

Beispiele: Orlacs Hände (Deutschland 1924, Robert Wiene); White Heat (USA 1949, Raoul Walsh); Peeping Tom (Großbritannien 1960, Michael Powell); Dirty Harry (USA 1971, Don Siegel); Fade to Black (USA 1980, Vernon Zimmerman); Nattevagten (Dänemark 1995, Ole Bornedal).

Literatur: Fuchs, Christian: Kino Killer. Wien: Edition S 1995. – Golde, Inga: Der Blick in den Psychopathen. Struktur und Wandel im Hollywood-Psychotrhiller. Kiel: Ludwig 2002. – Kaufmann, Anette: Angst, Wahn, Mord. Von Psycho-Killern und anderen Film-Verrückten. Münster: MakS-Publikationen 1990.

Referenzen