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Pilliwood

oft auch: Pollywood; eigentlich: paschtunisches Kino, engl.: Pashto cinema ; eigentlich spezifischer: Khyber Pakhtunkhwa cinema

Das Kino der Pashtunen, der Bevölkerung vor allem Afghanistans, hatte ein zweites kulturelles Zentrum in Pakistan (in dem fast 50% des Volkes Leben). Ende der 1960er begann eine eigene Filmproduktion in Peshawar in Pakistan, wo bis heute die meisten pashtunischen Filme entstehen; als erster eigenständiger Film in Pashtunisch gilt meist Yousuf Khan ao Sher Bano (1969/70, Aziz Tabassum), der die Saga der beiden Titelhelden erzählte und der 12 (andere Quellen berichten von 50) Wochen der umsatzstärkste Film in Peshawar war; Badar Munir, der Darsteller Yousufs, wurde einer der populärsten Darsteller des Pashtu-Kinos. Zunächst fast immer auf SW-Material gedreht, werden heute fast ausschließlich Videofilme hergestellt; die Kino-Auswertung erfolgt allerdings oft weiterhin auf Film. Die Geschichten handeln nicht nur oft von Konflikten zwischen westlichen (auch: indischen) Kulturen und pashtunischen Helden, sondern erzählen auch romantische Begebenheiten mit mittelalten, fast immer bewaffneten Helden mit langen Schnurrbärten und sehr viel jüngeren Frauen, oft unter Einsatz zahlreicher Sing- und Tanzszenen. Die afghanischen Kriege führten dazu, dass vermehrt auch die Rolle von Gewalt in der Begegnung von Volks- oder Interessengruppen zum Thema wurde. Die Filme adressieren ein illiterates Publikum kleiner Leute, weshalb der Vorwurf, die Filme seien vulgär und stereotyp (es sind fast alles Filme, die mit geringsten Budgets auskommen), für den Markterfolg kaum eine Rolle spielen (zumal die internationale Auswertung auf Video und DVD erfolgt). In der Hochphase waren jährlich 25-40 Filme entstanden; seit etwa 2005 steckt das Pashtu-Kino in der Krise – aufgrund veränderter politischer Bedingungen, als anti-islamisch oder anti-kulturell wahrgenommener Tendenzen der Filme, der ansteigenden Bejahung gewalttätiger Auseinandersetzung und der kritiklosen Popularisierung des Pashtunwali (der pashtunischen Stammesgesetze) geht seine Popularität kontinuierlich zurück.

Literatur: Khan, Ali / Ahmad, Ali Nobil: From Zinda Laash to Zibahkhana . Violence and Horror in Pakistani Cinema. In: Third Text 24,1, 2010, S. 149-161. – Ali, Khan / Ahmad, Ali Nobil: Cinema and Society. Film and Social Change in Pakistan . Karachi: Oxford University Press 2016. - Malik, Abdullah: Decline of Pashto cinema. In: Daily Times , 13.4.2018.