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Planwagenwestern

Mit Planwagenwestern wird gelegentlich eine Spielart des Western bezeichnet, in deren Mittelpunkt ein Siedlertreck steht. Erzählt wird von der beschwerlichen Reise durch eine ebenso spektakuläre wie unbarmherzige Wildnis, voller Gefahren und Hindernisse. Die Hoffnung auf einen Neuanfang am Ziel der Reise und der Wille, diesen langen Weg durchzuhalten, gibt dem Filmen eine spezielle Relevanz im Genre. Viel stärker als in anderen Western wird der Prozess der Erschließung des Wilden Westens durch Siedler evident. Planwagenwestern spielen daher auch meist zu einem früheren Zeitpunkt als die meisten anderen Western, also nicht zwischen dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs und 1890, sondern z.B. in den 1840er Jahren. Oft handeln die Filme von Trecks, die sich auf dem Oregon Trail vorwärts bewegen – er war die erste Route, die Mitte des 19. Jahrhunderts Siedler in den Nordwesten führte, um dortiges Land zu besiedeln.
Der Planwagenwestern tendiert zur epischen Breite. Als erster Film dieser Kategorie gilt The Covered Wagon aus dem Jahre 1923. In James Cruze’ Stummfilm finden sich bereits einige Sequenzen, die später zu narrativen/dramaturgischen Standardszenarien des Genres avancierten (wie die Bildung einer Wagenburg bei Indianerangriffen). Mit The Big Trail aus dem Jahre 1930 inszenierte Raoul Walsh den bis heute vielleicht berühmtesten Film des kleinen Subgenres. Der aufwändig in 35mm und 70mm on location gedrehte Film etablierte die Ikonographie des Planwagenwestern, der ab den 1950er Jahren nicht zuletzt von beeindruckenden Panoramabildern in Cinemascope lebte. Paradigmatisch für die epische Breite wie für die Breite des Bildes ist der 1967 entstandene The Way West von Andrew V. McLaglen. Zu einer Zeit, als der Western seine Hochzeit hinter sich hatte, beschwört The Way West noch einmal nahezu ungebrochen den amerikanischen Pioniergeist und die Notwendigkeit der Führung durch eine zwar unbeliebte, aber nichtsdestoweniger starke und unermüdliche Hand (Kirk Douglas als William J. Tadlock).
Eine Revision des Planwagenwestern gelang Kelly Reichardt 2010 mit Meek’s Cutoff, der, im Academy Format gedreht, die gewohnte epische Breite in eine kammerspielartige Enge transformiert. Der Treck besteht nur aus drei Familien. Der Scout ist nicht mehr der verlässliche Held, sondern ein Angeber und Betrüger, der eine kleine Gruppe von Siedlern in die Irre führt. Wurden schon 1951 in William A. Wellmans Westward the Women weibliche Hauptfiguren etabliert, so kommt nun den Frauen im Treck eine noch stärkere Bedeutung als Handlungsträgerinnen zu. Indianer, im früheren Planwagenwestern stets eine zentrale, aber trotzdem auch nur eine von vielen Bedrohungen der Wildnis, avancieren nun zu potentiellen Helfern, obwohl sie den Siedlern so fremd erscheinen wie selten zuvor im Western inszeniert.

Literatur: McLynn, Frank: Wagons West. The Epic Story of America’s Overland Trails. New York: Grove Press 2002. – Evans, Peter William: Westward the Women. Feminising the Wilderness. In: The Book of Westerns. Ed. by Ian Cameron and Douglas Pye. New York: Continuum 1996, S. 206-213. – Seeßlen, Georg: The Covered Wagon und die frühen Western-Epen. In seinem: Western. Geschichte und Mythologie des Westernfilms. Marburg: Schüren 1995, S. 40-45.