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politische Allegorie

Wie im Fall der Allegorie eine Erzählform, in der Bedeutung durch den Verweis auf eine zweite Sinnebene konstituiert wird. Auch hier muss vom Publikum eine Übertragung geleistet werden: von der vordergründigen, eigentlichen Ebene auf eine abstrakte, uneigentliche. Figuren, Objekte und Handlungen repräsentieren politische Ideen und Qualitäten (in anderen Allegorien geht es um moralische oder religiöse Ideen). Entscheidend für das Funktionieren von Allegorien ist das Bewusstsein beim Publikum, dass einerseits zwei Sprach- oder Bildebenen existieren und andererseits Allegorien final orientiert, auf ein bestimmtes Ziel hin ausgelegt sind. Der Schlüssel zu ihrem Verständnis liegt in der Erkenntnis dieses Ziels und nicht auf der Darstellungsebene selbst. Diese liefert höchstens Signale, die auf eine allegorische Lesart hinweisen, welche vom Publikum erst noch zu leisten ist. Sind diese Signale wenig eindeutig, wird die Lektüre problematisch, und es hängt vom Vorwissen des Publikums ab, wie weit es zur Entschlüsselung der Doppelaussage in der Lage und willens ist. Oft dienen politische Allegorien dem Zweck der Systemkritik, formulieren Utopien oder aber, in der negativen Variante, Dystopien.

Beispiele: Renaissance (Frankreich 1963, Walerian Borowczyk); A Clockwork Orange (Großbritannien 1971, Stanley Kubrick); Youcef (aka: Youcef ou la légende du septième dormant; Algerien/Frankreich 1994, Mohamed Chouikh).