Metainformationen zur Seite

porn parody

auch: porn spoof, porn pastiche; dt. (selten): Porno-Parodie

Als porn parodywerden pornographische Pastiche-Versionen bekannter Prätexte bezeichnet. Dabei werden in der Regel Erzählstruktur und dramatis personae des Prätexts nachgebildet, wenngleich Anpassungen nötig werden: etwa wenn in This Ain’t Jaws XXX (USA 2012, Stuart Canterbury) die streng homosoziale Konstellation der drei Hai-Jäger aus Spielbergs Klassiker durchbrochen und aus Hooper eine Frau gemacht wird. Fürs pornographische makeover kommen generell alle ausreichend in der Populärkultur verbreiteten Erzählungen infrage. Die Pornoindustrie greift nach diesen „semiotischen Ankern“ (Georg Seeßlen), um ihre Produkte aus dem Überangebot herausragen zu lassen und mit vergleichsweise hohen Budgets Event-Pornos zu inszenieren (Pirates, USA 2005, Joone; der Film referiert auf den Kassenerfolg Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl, USA 2003, Gore Verbinski). Der parodistische Gestus erwächst einerseits diegetisch aus den hier aufeinander prallenden Registern, wird doch die pornographische Struktur auf so ehrwürdige Genres wie den Kriegsfilm (Shaving Ryan’s Privates, 1999, Christopher Hull, nach dem Vorbild von Saving Private Ryan, USA 1998, Steven Spielberg) oder den dystopischen Film (A Clockwork Orgy, 1995, Nic Cramer, nach Stanley Kubricks A Clockwork Orange, Großbritannien 1971) angewendet. Andererseits gestattet sie den porn parodies, Copyright-Prozessen aus dem Weg zu gehen – eine Klage von George Lucas gegen die Produzenten von Starballz (USA 2001, David Penava) wurde von kalifornischen Gerichten mit der Begründung abgewiesen, dass eine Verwechslungsgefahr nicht gegeben sei.

Porn parodies gehören damit zwar zu den Apokryphen, die sich um den Prätext ansiedeln, werden allerdings auch in Fandiskurse eingebunden – Kult-Franchises wie Star Wars oder Lord of the Rings haben so gleich mehrere Porno-Ableger inspiriert.

 

Literatur: Booth, Paul: Slash and porn: media subversion, hyper‑articulation, and parody. In: Continuum: Journal of Media & Cultural Studies 28,3, 2014, S. 396‑409. – Hines, Claire: Playmates of the Caribbean: Taking Hollywood, Making Hard Core. In: Hard to Swallow: Hard-Core Pornography on Screen. Hrsg. v. Claire Hines / Darren Kerr. New York; Chichester: Wallflower Press 2012, S. 255-292. – Mendik, Xavier (Hrsg.): Peep Shows. Cult Film and the Cine-Erotic. London: Wallflower Press 2012.

Referenzen