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Priming (1)

auch: primacy effect;

Der der Psychologie entstammende Begriff des Primingbezeichnet allgemein einen Prozess der Informationsverarbeitung, bei dem ein Reiz implizite Gedächtnisinhalte aktiviert, die zur semantischen oder affektiven Anreicherung der Ausgangsinformation führen und – meist unter Kenntnis der Generizität der Erzählung – zur Produktion erster Erwartungen dienen. Der Vorgang geschieht weitestgehend unterbewusst und automatisiert. Vor allem in der Inititialphase der Textrezeption finden eine ganze Reihe von Aktivierungen assoziierter Bedeutungsfelder, die in die Konstruktion von Erwartungen und Interpretamenten im Verlauf der weiteren Textverarbeitung eingehen. Darum ist die Organisation der Informationsvergabe gerade am Anfang von Texten zentrale Aufgabe der Textdramaturgie, weil es um die Leistung des Textes, durch die gezielte und strategische Vergabe von Informationen in der Anfangsphase der Narration den Zuschauer gewissermaßen zu „programmieren“ und ihn zum Aufbau prägender Eindrücke und bestimmender Handlungshypothesen anzuregen. Gerade weil Zuschauer darum bemüht sind, die eingangs gefundenen Hypothesen über die Rezeption hinweg zu stabilisieren, sind Priming-Informationen oft Voraussetzung für Rezeptionsüberraschungen. 

Literatur: Barratt, Daniel: „Twist Blindness“. The Role of Primacy, Priming, Schemas, and Reconstructive Memory in a First-Time Viewing of The Sixth Sense. In: Puzzle Films.Complex Storytelling in Contemporary Cinema. Ed.by Warren Buckland. Chichester: Wiley-Blackwell 2009, S. 62-86. – Hartmann, Britta: Anfang, Exposition, Initiation. Perspektiven einer pragmatischen Texttheorie des Filmanfangs. In: Montage/AV4,2, 1995, S. 101-122.

Referenzen