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production number II

„Integration“ und „Insel“, die beiden Strategien zur Einführung einer ausgestalteten Musical- oder Revue-Nummer, prägten nicht nur das amerikanische, sondern auch das europäische Kino. So finden sich beide Lösungen, bei einem Übergewicht der integrierten, auch im deutschen Musikkino der frühen Tonfilmzeit, manchmal sogar innerhalb eines Films. Zum Beispiel weist Ein blonder Traum (1932) neben integrierten Nummern eine einen Traum repräsentierende Sequenz auf, die Inselcharakter besitzt. Bis heute sind beide klassischen Lösungen anzutreffen, wenn auch seit den 1960er Jahren wiederholt die Tendenz zu einer Totalintegration zu beobachten ist, so etwa, wenn in West Side Story (1960) die stilistische Differenz zwischen Gesangs-, Tanz- und Sprechparts aufgehoben wird, wenn in Les Parapluies Cherbourg (1963) Jacques Demy eine stilisierte Welt kreiert, in der alle Dialoge gesungen werden, oder wenn in Moulin Rouge (2001) eine artifiziell-hybride postmoderne Performanz den gesamten Film prägt.
Zahlreiche Filmmusicals thematisieren übrigens, als eine Variante des Backstage-Musicals, ihr eigenes Metier. Einige thematisieren auch – wie Judy Garlands Nummer „Someone at last“ in A Star Is Born (1954) oder gleich mehrere showacts in Singin‘ in the Rain (1952) – die Inszenierung von production numbers in Filmmusicals.

Literatur: Hagener, Malte, Hans, Jan: Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm 1928-1938. München: Text + Kritik 1999.