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Propaganda

von lat. propagare = weiter ausbreiten, ausdehnen; auch: Tendenzfilm

Der moderne Begriff der Propaganda geht auf die päpstliche Bulle Sacra Congregatio de Propaganda Fide (1622) zurück und meint dort den „zu verbreitenden Glauben“, wurde aber schon bald auf politische und weltanschauliche Ziele im allgemeineren Sinne ausgedehnt. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor er seine religiöse Bedeutung endgültig, und seit 1945 wird er fast nur noch in politischen Zusammenhängen gebraucht. Heute versteht man darunter die regelmäßige und systematische Verbreitung von Weltanschauungen und Ideologien mit dem Ziel, das Bewusstsein der Bevölkerung zu verändern und letztlich ihre Überzeugungen den propagierten Anschauungen anzunähern. Die Verfahren der Darstellung fußen auf einer radikalen Vereinfachung und Zuspitzung des Wirklichen – Feindbilder werden zugespitzt, Gemeinsamkeiten beschworen, politische Entscheidungs- und Handlungsalternativen ausgeblendet.
Es sind nicht Unternehmen, sondern vor allem soziale und geistige Bewegungen, Parteien oder Staaten, die Propaganda betreiben. Propagandistische Kommunikation ist im Gegensatz zur Wirtschaftswerbung Werbung für außerwirtschaftliche Zwecke. Beide bedienen sich ähnlicher Mittel und Techniken der persuasiven Kommunikation.
Der Ursprung der modernen Propaganda liegt in Amerika und Großbritannien zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Creel-Kommission wurde 1916 in den USA, in der Amtszeit von Woodrow Wilson, ins Leben gerufen, um in Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten britischen Propagandaministerium das pazifistisch gestimmte amerikanische Volk gegen die Deutschen zu mobilisieren. Zu den Mitgliedern der Kommission gehörte neben John Dewey vor allem Walter Lippmann, der nach dem Krieg Propaganda im Rahmen einer Theorie der „öffentlichen Meinung“ zu theoretisieren versucht hat. Sowohl in der nachrevolutionären sowjetischen Republik wie auch im Nazi-Deutschland wurde Propaganda zu einem zentralen Mittel der innergesellschaftlichen Meinungsproduktion. (PB/HJW)

Literatur: Lippmann, Walter: Public opinion. New York: Macmillan 1922. Dt.: Die öffentliche Meinung. München: Rütten & Loening 1964. – Lasswell, Harold Dwight: The Theory of Political Propaganda. In: The American Political Science Review 21, 1927, S. 627-631. – Lasswell, Harold Dwight: Propaganda technique in World War I. London: K. Paul 1927. Repr. Cambridge, Mass.: The MIT Press 1935. – Lasswell, Harold Dwight: Propaganda and promotional activities. Minneapolis: University of Minnesota Press 1935. – Jowett, Garth S. / O'Donnell, Victoria: Propaganda and persuasion. London: Sage 1986. Mehrere Neuaufl.

Referenzen