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Psychopath

Der Filmpsychopath ist eine Entwicklung aus dem geistesgestörten Täter der Stummfilmzeit und dem machtorientierten Gangster der frühen 1930er Jahre. Für ihn war der Lustgewinn beim Begehen krimineller Handlungen wichtiger war als der dadurch gewonnene materielle Vorteil. Dieser neue Typus des psychopathischen Kriminellen zeigt die folgenden Züge: eng begrenztes soziales Bewusstsein, niedrige soziale Verantwortungsfähigkeit; die instrumentelle Benutzung anderer zum eigenen Vorteil; die Unfähigkeit, sofort zu erlangenden Lustgewinn zukünftigen Zielen unterzuordnen; die Gewohnheit des pathologischen Lügens, um persönlichen Vorteil zu erlangen; hohe Eloquenz; gewalttätige Ausbrüche von Wut, wenn gegenwärtige Handlungsziele nicht erreicht werden oder nicht erreicht werden können. Relative Normalität, die gelegentlich aufgegeben wird und dann in kalt vollzogene Mordtaten umschlägt: das macht die filmische Psychopathie im Kern aus. Die Figur des Heckenschützen in Peter Bogdanovichs Targets (1968) ist eine markante Ausprägung der Figur, weil er nicht nur das psychische Profil der Figur ausführt, sondern es mit fundamentaler Zivilisationskritik verbindet. Psychopathen werden häufig durch eine Äußerlichkeit oder eine Marotte markiert, um dem Publikum das gefährdende Potential einer Person zu zeigen und um diesbezügliche Erwartungen auszulösen. Die Gangster-Helden aus White Heat (1949), The Sniper (1952), Psycho (1960) oder auch The Boston Strangler (1968) mögen als Beispiele für Psychopathen-Figuren der Hochzeit des Figurentypus stehen.

Literatur: Douglass, Wayne J.: The criminal psychopath as Hollywood hero. In: Journal of Popular Film and Television 8,4, 1981, S. 30-39. – Kaufmann, Annette: Angst – Wahn – Mord. Von Psycho-Killern und anderen Film-Verrückten. Münster: MAkS Publikationen 1990. – MacCarty, John: Movie psychos and madmen: Film psychopaths from Jekyll and Hyde to Hannibal Lecter. New York: Citadel 1993.

Referenzen