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qui voit / qui parle

dt.: „wer sieht?“ / „wer spricht?“

Von Gérard Genette im Rahmen seiner Überlegungen zur Perspektivität literarischen Erzählens formulierte Unterscheidung, die die äußernde Instanz auf zwei Bezugsfragen zurückführt: (1) auf diejenige Instanz, der die Wahrnehmung des Geschehens ( qui voit? [wer sieht?]; auch: qui percoit? [wer nimmt wahr?]) zugeordnet werden kann, und (2) eine zweite, die die Äußerung der Erzählung ( qui parle? [wer spricht?]) kontrolliert. Der ersten, die das äußere Geschehen registriert und die in der Selektivität der Wahrnehmung bereits eine sinngesteuerte Filterung desselben umfasst, tritt eine zweite zur Seite, die die Darstellung des Geschehens steuert und um weitere, aus den äußeren Wahrnehmungsakten nur erschließbare Wissensbestände bereichert (wie z.B. Innensichten der Figuren, weitere intra- und intertextuelle Bedeutungshorizonte u.ä.). Genettes Unterscheidung zielt darauf, die „Regulierung der narrativen Information“ in verschiedenen Ebenen der dargestellten Wirklichkeit zu verankern bzw. Erzähl- und Wahrnehmungsinstanz zu differenzieren. Sie mündet in Genettes Konzept der Fokalisierung ein.

Literatur: Genette, Gérard: Discours du récit. In: Figures III . Paris: Seuil 1972. Dt. in: Die Erzählung . München: Fink 1994, 2. Aufl. 1998, Kap. 4: Modus, bes. S. 132ff.

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