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Radical Cinema

Stilrichtung innerhalb des Dokumentarfilms, die aus einem politischen Engagement heraus entstand und vor allem in den USA der 1960er und 1970er Jahre gepflegt wurde. Die Filmemacher und -macherinnen lehnten den Vietnamkrieg radikal ab und gehörten Bürgerrechtsbewegungen und oppositionellen Gruppen an. Das Ziel ihrer Filme war die Formulierung einer fundamentalen Systemkritik sowie Agitation, die das Publikum zu politischem Handeln führen sollte. Formal waren die Filme ungebändigt und leidenschaftlich: Sie mussten rasch und als Low-Budget-Produktionen realisiert werden, ihr Tonfall war aggressiv, konfrontativ und didaktisch, und sie bedienten sich einer emotionalisierenden Rhetorik. Zum weiteren formalen Inventar gehören Interviews mit Meinungsführern und Betroffenen. Und es wurden Techniken des Kompilationsfilms eingesetzt, die manchmal dazu beitragen sollten, dass sich das angegriffene System durch die Kompilation selbst entlarvt. In diesem Sinn fließt immer wieder battle footage in die Filme ein – Found-Footage-Material über Zusammenstöße mit der Polizei.

Beispiele: Black Panther (1968, anonym); El pueblo se levanta (1968, anonym); Bobby Seale (1969, anonym); Underground (1970, Emile de Antonio).

Literatur: Beyerle, Mo [...] (Hrsg.): Der amerikanische Dokumentarfilm der 60er Jahre. Direct Cinema und Radical Cinema. Frankfurt: Campus 1991. – Griffiths, Keith M. (ed.): The Brechtian aspect of radical cinema. London: BFI Publishing 1981.