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Ranküne

Eindeutschung aus frz.: rancune ; ursprünglich lat.: rancidus (= ranzig); engl. gelegentlich: grudge (= Groll)

Als ein soziodramatisches Motivkonzept fasst der Begriff der Ranküne die Motivation von Figuren beim Verfolgen erlittenen Schadens (im Sinne von „alter Hass", „heimliche Feindschaft", „Groll", „Bitterkeit", manchmal auch „Neid" oder „Rachsucht"). Die Ranküne wird umgesetzt als Komplott, vielleicht auch als (verdeckte oder heimliche) Verschwörung der Figur, die die Ranküne trägt, mit anderen gegen eine oder mehrere andere Figuren, die das Objekt der Ranküne bilden. Ranküne gehört zu den tief verankerten Figuren-Motivationen, sei es auf Grund (lange) zurückliegender Verletzungen, sei es auf Grund umfassenderer Konflikte (wie etwa in Familienfehden). Derartig tief begründete Abneigungen oder gar Hassgefühle werden in Erzählungen oft erst gegen Ende der Handlung erklärt und auf Ausgangserlebnisse zurückgeführt (als backstory wounds ). In neueren Verwendungen der heute veraltenden Bezeichnung wird von dieser Bindung der Ranküne an die emotionale Verfasstheit einer Figur oft ebenso abgesehen wie von ihrer Fähigkeit, latente Konflikte zu etablieren; sie wird dagegen als Sammelbezeichnung für auf Ranküne basierende Intrigen, Komplotte und (etymologisch aber nicht verwandte) Ränkespiele genutzt und manchmal sogar in die Nähe des Fluchs als einer symbolischen Belegung von Häusern oder anderen Objekten gerückt.