Metainformationen zur Seite
  •  

Reichsfilmarchiv

Am 29.1.1934 wurde das Reichsfilmarchiv in Berlin-Dahlem gegründet und am 4.2.1935 im Harnack-Haus der ehemaligen Kaiser Wilhelm Gesellschaft in Gegenwart des Führers Adolf Hitler feierlich unter Leitung von Joseph Goebbels eröffnet. Als Gründungsleiter des Reichsfilmarchivs wurde Leonard Böttger bestellt, der im September 1934 einen ersten Überblick über die Bestände lieferte: Zu ihnen gehörten Filme aus dem Reicharchiv zu Potsdam, beschlagnahmte Filme der Berliner Polizeizensurbehörde (seit 1920) und UFA-Wochenschauen. Im Jahre 1935 wurde der Filmpropagandist der NSDAP und Landesbildstellenleiter Frank Hensel als Leiter berufen. 1938 gehörte das Reichsfilmarchiv zu den Gründungsmitgliedern (mit dem Museum of Modern Art, dem British Film Institute und der Cinémathèque Francaise) der Fédération International des Archives du Film (FIAF). Durch Kauf und Tausch von Filmen, durch die Einführung eines Ablieferungszwangs für Filme, die im Reichsgebiet produziert waren, sowie durch die Beschlagnahme von Filmen und Sammlungen in den besetzten Gebieten wuchs die Sammlung des Archivs schnell an. Das Reichsfilmarchiv war neben der Sammlung und Archivierung von Filmen dafür zuständig, Anti-Nazifilme und andere verbotene Filme aus dem Ausland zu besorgen, damit Hitler und andere NSDAP Funktionäre die neuesten Filme aus Amerika sehen konnten. Bei zunehmender Kriegsdauer wurden die Bestände des Reichsfilmarchivs an verschiedenen Orten in- und außerhalb Berlins sicher eingelagert. Bei Kriegsende gingen aber erhebliche Teile des Archivs durch Bombenschäden sowie durch Brände verloren; die noch in Berlin verbliebenen Teile wurden im Mai 1945 von sowjetischen Truppen beschlagnahmt. Dort lagerten zu diesem Zeitpunkt 17.352 Filme. Etwa 6.400 Filme der Sammlung wurden in die Sowjetunion verbracht. Andere Teilbestände wurden von den Amerikanern und Briten erbeutet. Die Geschichte dieser Auslagerungen und das Schicksal der verschiedenen Teilbestände liegen weiterhin im Dunkeln.

Literatur: Aurich, Rolf: Cinéaste, Collector, National Socialist. Frank Hensel and the Reichsfilmarchiv. In: Journal of Film Preservation, 64, April 2002, S. 16-21. Zuerst in: Film-Dienst 54,15, 2001, S. 39-42.