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Reportage

Im Unterschied zum Bericht muss die Reportage nicht alle Aspekte des Geschehens zur Kenntnis nehmen und das Wichtigste auswählen, sondern kann nur einen Teil der Wirklichkeit spotlichtartig ausleuchten. Als dokumentarische Gattung ist für sie die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der berichteten Fakten verpflichtend; die Auswahl, Anordnung und Gewichtung der Fakten sowie das Bestreben nach Lebendigkeit, Farbigkeit und atmosphärische Dichte ist explizit kenntlich gemacht als subjektive Prägung des Berichteten durch einen Berichterstatter. Sie führt Leser, Zuschauer oder Hörer (in der Live-Reportage zeitgleich) vor Ort, lässt das Publikum das Ereignis mit den Augen des Reporters sehen. Der Ansatz der Darstellung ist die Mischung von Tatsachenbetontheit und Augenzeugen-Perspektive, die trotz aller Subjektivität der vorfilmischen Realität verpflichtet bleibt. Sie liefert mehr als die reine Information, dringt aber nicht in die Dinge ein, sondern zeigt nur deren Auftreten.
Als journalistische Gattung wurde die Reportage in den 1920er Jahren entwickelt (erinnert sei an Ernst Egon Kischs „Rasenden Reporter“), um der Subjektivität und Parteilichkeit des Urteils eigenen Raum und literarischen Ausdruck zu schaffen. Sie findet sich in allen journalistischen Medien – als Zeitungsbericht, als Bildreportage, als Hörfunkbeitrag oder als Fernsehform.

Literatur: Haller, Michael: Die Reportage. Ein Handbuch für Journalisten. Konstanz: UVK 1997.