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Retro-Look

Als Retro-Look wird das Erscheinungsbild von Filmen bezeichnet, deren audiovisuelle Oberflächenarrangements in ästhetizistisch-nostalgisierender Weise auf filmhistorische Formen zurückgreifen (u.a. Chinatown, 1974; Mulholland Falls, 1996; Last Man Standing, 1996; L.A. Confidential, 1997). Filme im Retro-Look bedienen sich intertextueller Strategien, wenn sie filmhistorische Darstellungskonventionen simulieren. Anders als andere rekursive filmische Formenspiele wie Remake und Zitat setzen diese aber weniger auf Reflexion vorgängiger filmischer Diskurse als auf die Rekonstruktion atmosphärischer Qualitäten. So werden im Retro-Look das Design bzw. look and feel filmhistorischer Vor-Bilder sinnlich rückübersetzt v.a. in Dekors, Kleidung sowie Sprache, Musik oder Handlungsmustern und Motivationen. Üblich sind Anspielungen auf Filmgenres, Stile oder filmhistorische Perioden (z.B. Film Noir in Body Heat, 1981). Wie jede intertextuelle Strategie setzt ihr Verständnis auf Seiten des Zuschauers filmhistorisches Vorwissen voraus. Die verstärkt seit den 1980er Jahren beobachtbare Aufwertung sinnlicher Oberflächenreize in der Spielform des Retro-Looks ist als Signatur des so genannten „postmodernen Films“ vor allem von Frederic Jameson (hier: als unreflektierte, somit beliebige Ausbeutung der Filmgeschichte) kritisiert worden.

Literatur: Merschmann, Helmut: Von Fledermäusen und Muskelmännern. Postmoderne im amerikanischen Mainstream-Kino: Arnold Schwarzenegger und Tim Burton. Berlin: Bertz 1998. – Jameson, Frederic: Postmodernism, or The Cultural Logic of Late Capitalism. London: Verso 1991. – Paech, Joachim: Außer Atem in der Postmoderne. Überlegungen zur Filmästhetik von Godards A bout de souffle bis McBrides Breathless. In: Film Journal, 25, 1992, S. 48-55. – Röwekamp, Burkhard: Das Neo des Noir. Filmische Rekursionen in Remake, Zitat und Retro-Film. In: Jürgen Felix et al. (Hg.): Filmische Selbst-Reflexionen. Marburg: Schüren 2000, S. 70-95 (Augen-Blick. Marburger Hefte zur Medienwissenschaft. 31.).