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Revolutionswestern

Vor allem im Journalismus verbreitete Bezeichnung einer Gruppe von Western, die in der Zeit der mexikanischen Aufstände gegen die diktatorische Zentralherrschaft des Präsidenten Porfirio Diaz (ab 1910) spielen, manchmal aber in eine real-historisch unspezifische zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Zeit der Bürgerkriege in Mexiko, verschoben waren. In vielen der Filme spielt eine politische Komponente eine gewichtige Rolle, so wie sie auch die zwielichtige Rolle der USA in der mexikanischen Revolution oft explizit ansprechen. Es handelt sich vor allem um Italowestern wie Quién sabe? ( Töte Amigo , 1966, Damiano Damiani) über einen Amerikaner, der sich den Aufständischen anschließt, sich aber als von den Generälen gedungener Mörder des Revolutionsführers erweist, Il mercenario ( Die gefürchteten Zwei , 1968, Sergio Corbucci) über einen idealistischen Minenarbeiter, der sich zum Revolutionsgeneral ausrufen lässt, und einen ehemaligen polnischen Offizier, der kurzfristig als Söldner für die Revolution agiert, die Komödie Corri uomo corri ( Lauf um dein Leben , 1968, Sergio Sollima) über einen schlitzohrigen Mexikaner, der unfreiwillig in politische Machtkämpfe gerät, dabei einen revoltierenden Politiker befreit und einen Drei-Millionen-Dollar-Schatzes findet, der Heist-Film Un esercito di cinque uomini ( Die fünf Gefürchteten , 1969, Don Taylor, Italo Zingarelli) über einen Zugraub, dessen Beute tatsächlich an die Revolutionäre weitergegeben wird, oder Giù la testa ( Todesmelodie , 1971, Sergio Leone) über die Freundschaft zwischen einem irischen Revolutionär und Sprengstoffspezialisten und einem mexikanischen Banditen.

Die mexikanische Revolution ebenso wie die historisch nicht spezifizierten mexikanischen Aufstände gegen die Herrschenden bildeten auch in einigen amerikanischen Produktionen den historischen Hintergrund – man denke an Viva Zapata (1952, Elia Kazan) oder Vera Cruz (1954, Robert Aldrich), vor allem aber an Filme, die in den Jahren um die Produktionen der Gruppe der Revolutionswestern entstanden, darunter die burleske Emanzipationskomödie Viva Maria , 1965, Louis Malle) oder den Spätwestern The Wild Bunch (1969, Sam Peckinpah).

Erwähnt sei auch, dass realhistorische Figuren der Revolution wie Emilio Zapata oder Pancho Villa (etwa in And Starring Pancho Villa as Himself ( Pancho Villa – Mexican Outlaw , 2003, Bruce Beresford) eigene filmische Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.

Literatur: Hausberger, Bernd / Moro, Raffaele (eds.): La revolución mexicana en el cine. Un acercamiento a partir de la mirada ítaloeuropea . México, D.F.: El Colegio de México, Centro de Estudios Históricos 2013. – Herzberg, Bob: Revolutionary Mexico on film. A critical history, 1914-2014. Jefferson, N.C.: McFarland 2015. – Pick, Zuzana M.: Constructing the image of the mexican revolution. Cinema and the archive. Austin: University of Texas Press 2010.