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Rhythmus

(1) Die rhythmische Organisation des Materials wird als eigenständige ästhetische Qualität angesehen, wenngleich unklar ist, was damit eigentlich gemeint ist – filmischer Rhythmus ist keinesfalls mit dem Metronom zu erfassen: Das Rhythmische manifestiert sich einerseits im Schnitt (als rhythmische Folge von Bildern, als eine Art von Takt der Bildfolge), andererseits im Schauspiel und in der Mise-en-Scène, sei es durch Redewendungen, Handlungen, Choreographie der Bewegungen der Schauspieler, den Einsatz musikalischer Motive und ähnliches mehr.
(2) Die Bezeichnung Rhythmus verdrängt in der formalistischen Verstheorie Metrum und Versfuß aus ihrer traditionell dominierenden Rolle. Dem Rhythmus kommt hier zugleich eine semantische Funktion zu, indem er die lexikalische Eigenbedeutung der Wörter durch syntaktische Figuren überlagert oder ersetzt. Von Rhythmus im Film sprechen die Formalisten vor allem im Zusammenhang mit Bewegung. Tynjanov konzipiert die filmische Bewegung als raumzeitliche Differenzform, als Ergebnis der Deformation des Raumes und der der Zeit. Wenn die Wiederholungsintervalle der Dauer (d.h. die Längenverhältnisse der einzelnen Einstellungen) sich zu einem Metrum verfestigen und die Raumdeformationen durch Aufnahmewinkel und Beleuchtung sich zu einem Stil verdichten, spricht Tynjanov von Rhythmus als „Wechselwirkung der stilistischen und der metrischen Momente in der Entfaltung des Films.“

Referenzen