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Ritterfilm

engl.: sword and sorcery movies

Der Kosmos der Burgen, Schlösser und Turniere bildet einen einleuchtenden Gegenentwurf zur Dynamik der Moderne. Es handelt sich um eine Welt der klaren Ziele, deren Einwohner den vielfältigsten Herausforderungen, vom Turnier über die Errettung bedrohter Jungfrauen bis zum Drachenkampf, mit einem beneidenswert limitierten Repertoire an Verhaltensweisen zu begegnen verstehen. Zu erringen gilt es die Liebe einer Frau, ritterlichen Ruhm oder den Gral, und auf dem Weg dahin werden alle Konflikte im direkten Zweikampf beigelegt, erst zu Pferd mit dem Speer, dann zu Fuß mit Schwert und Schild, bis zum Tod oder der Aufgabe des Gegners. In ihrer kontrafaktischen und ahistorischen Simplizität und Sinnhaltigkeit wirkt diese Welt ideal und utopisch, und die Regeln, nach denen sie funktioniert, leuchten über die Epochen hinweg ein. Der Ritterfilm bezieht seine Themen und Motive im Wesentlichen aus den historischen Romanen v.a. von Sir Walter Scott (The Crusades, 1935, Cecil B. DeMille; Ivanhoe, 1952, Richard Thorpe) über die Kreuzzüge und aus den verschiedenen Varianten und Ausläufern der Artus-Sage (The Knights of the Round Table, 1953, Richard Thorpe; Prince Valiant, 1954, Henry Hathaway). Eigene Aufmerksamkeit verdient der Robin-Hood-Stoff ( The Adventures of Robin Hood, 1938, Michael Curtiz; The Adventures of Robin Hood, Fernsehserial 1955-58; Robin and Marian, 1975, Richard Lester; Robin Hood - Prince of Thieves, 1991, Kevin Reynolds).
Seine eigentliche Blüte erlebte der Ritterfilm in den 1950er Jahren. So entstand in England unter anderem eine Serie von MGM-Produktionen mit amerikanischen und englischen Stars unter der Regie von Richard Thorpe. Ähnlich wie der Western durchlief der Ritterfilm in den späten 1960ern und frühen 1970ern eine Art Dekadenzphase, in der Produktionen entstanden, die man als Spät-Ritterfilme bezeichnen könnte (Lancelot du Lac,1974, Robert Bresson). Neu belebt wurde das Genre 1981 mit Excalibur (John Boorman). Der Erfolg des Films wirkte sich vor allem für einen Ritterfilm-Hybriden positiv aus, auf das Fantasy-Genre, das in den 1980er Jahren seine größte Popularität erlebte. Eigentliche Ritterfilme wurden aber auch in den 1990ern immer wieder realisiert (wie First Knight, 1994, mit Sean Connery und Richard Gere).
Es fehlt nicht an Parodien auf das Rittergenre. Monty Python and the Holy Grail (1975) und die Science-Fiction/Ritterkomödie High Crusade (1994) zählen dazu, und auch eine Musical-Version der Artussage wie Joshua Logans Camelot (1967) mit Richard Harris und Vanessa Redgrave als Königspaar Artus und Ginevra weist mit ihrer musikalischen Aufladung und Übersteigerung höfischer Rituale komödiantische Aspekte auf.

Literatur: Ball, James Lloyd: Exotic, historical, escapist. „Sword and Sorcery“ motion pictures produced in America. Diss., University of Southern California, Los Angeles 1977. – Film and History 29, 1999: The Medieval Period in Film [in zwei Teilen]. – Harty, Kevin J. (ed.): Cinema Arthuriana. Essays on Arthurian film. New York: Garland 1991. – Richard, Jeffrey: Swordsmen of the screen [...]. London: Routledge & Kegan Paul 1972.

Referenzen