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Road-Movie

Seit den frühen Tagen des Films gehört mit Bewegung repräsentierte Bewegung zum genuinen Bestandteil der filmischen Projektion, der laufenden Bilder auf der Leinwand. Rennende Pferde, fahrende Autos und einlaufende Züge generieren Filmbilder. Deshalb verwundert es nicht, dass das Road Movie sich diese Faszination zu Eigen gemacht hat. Das Roadmovie veranschaulicht als Genre des modernen Films Ästhetik und Wahrnehmung der Moderne. Zugleich werden Wahrnehmung und Sehen des modernen nomadischen Subjekts thematisiert.
Beim Roadmovie ist es die Bewegung zwischen zwei Orten, die selbst als Lebensform erscheint. Es geht darum, eine Reise zu machen, nicht oder nur vorgeblich darum, auch anzukommen. Roadmovies handeln vorwiegend vom Unterwegssein. Erste Ausprägungen erfuhr das Genre als Straßenfilm in den 1920er Jahren: Die Straße als Gegenwelt zu den Ordnungsvorstellungen bürgerlichen Alltags. Ein Film wie Fellinis La Strada (1954) nimmt die Straße als globale Metapher des Lebens, als Ort der Bewährung, als ruheloser Anker in der Welt. Manche Helden des Roadmovie finden sich auf der Straße, finden die ruhelose Bewegung als Lebensbedingung vor wie die Helden aus Carlos Diegues‘ Film Bye Bye Brazil (Brasilien 1979); andere wählen die Ziellosigkeit der Straße freiwillig als Lebensbedingung wie die Schauspielergruppe in Stephen Eliots The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert (Australien 1994); wieder andere müssen das Leben auf der Straße wählen, weil sie auf der Flucht sind (wie die beiden Heldinnen in Ridley Scotts Thelma and Louise, 1991).
Das Motiv der Straße erinnert in vielem an die Wanderexistenzen mancher frontier-Helden des Western. Ebenso sind manche Gangster-Filme als Roadmovies realisiert. Der Biker-Film seit The Wild One (1953) hat die Straße als Ort besonderer sozialer Gruppenformen und -stilistiken ausgelegt. Der Truckerfilm schließlich macht das Leben auf der Landstraße zum generischen Kernmotiv; erinnert sei an Sam Peckinpahs Convoy (1976), der die Unstetigkeit des Lebens auf der Straße als Nichtfeststellbarkeit der Helden auslegte – und als Bedingung dafür, den Kampf gegen die Institutionen der Gesellschaft aufnehmen zu können. Das ruhelose Leben von Bonnie and Clyde etwa (Arthur Penn, 1967) kennt keine Ruhe- oder Nullpunkte, es ist ganz der Straße als einem Ort des sozialen Nirgendwo verpflichtet. Zahlreiche Ausprägungen hat das Roadmovie im Kontext der Jugendthematik gefunden – von Theo gegen den Rest der Welt (1980) bis zu Filmen, die am Ende ihrer Geschichte zeigen, dass die jugendlichen Helden wieder an einem festen Ort angekommen sind.

Literatur: Schulz, Berndt: Lexikon der Road Movies. Berlin: Lexikon Imprint Vlg. 2001. – Cohan, Steve / Hark, Ina Rae (eds.): The road movie book. London/New York: Routledge 1997. – Deeken, Annette: Reisefilme. Ästhetik und Geschichte. St.-Augustin: Gardez! Vlg. 2004. – Grob, Norbert / Klein, Thomas [Hrsg.]: Road Movies. Mainz: Bender 2006. – Laderman, David: Driving visions. Exploring the road movie. Austin: Texas University Press 2002. – Morris, Christopher: The reflexivity of the road film. In: Film Criticism 28,1, 2003, S. 24-52. – Sargeant, Jack / Watson, Stephanie (eds.): Lost highways. An illustrated hitory of road movies. London; Creation Books 1999. – Soyka, Amelie: Raum und Geschlecht: Frauen im Road-Movie der 90er Jahre. Frankfurt: Peter Lang 2002. – Williams, Marc: Road Movies. New York: Proteus 1982.

Referenzen