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Schicksalsgemeinschaft

Eher umgangssprachliche Bezeichnung für eine Figurenkonstellation und dramaturgische Formel zugleich: Eine Gruppe bunt und zufällig zusammengewürfelter Personen ist für eine Weile vom Rest der Welt abgeschnitten und daher aufeinander angewiesen: auf einer Insel, in einer Postkutsche, während einer Belagerung, in einem Hotel, als Überlebende nach einem Flugzeugabsturz oder einem Schiffsunglück etc. Die Formel gibt – ähnlich einer Versuchsanordnung – Gelegenheit, die verschiedensten Personentypen miteinander zu konfrontieren und ihr unterschiedliches Verhalten bei Krisen herauszuarbeiten: Manche schmoren im eigenen Saft, andere entwickeln sich wie im Treibhaus rasch und heftig, manche entdecken ungeahnte Tugenden in sich, andere mutieren zu radikalen Egoisten etc. Viele Kriminalfilme, insbesondere Whodunits à la Agatha Christie bedienen sich dieser Figurenkonstellation, aber auch Melodramen, Abenteuer- und Kriegsfilme.

Beispiele: Key Largo (USA 1944, John Huston); La Mort en ce Jardin (Frankreich/Mexiko 1956, Luis Buñuel); Murder on the Orient Express (Großbritannien 1974, Sidney Lumet); Das Boot (BRD 1981, Wolfgang Petersen).