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Schleier

Schleier sind beliebte Elemente der Bildgestaltung. In dieser Eigenschaft sind sie in bestimmten Genres der Fotografie und des Films besonders häufig anzutreffen, vor allem in der Mode-, der Akt- und der Porträtfotografie. Es lassen sich grob zwei Verwendungsweisen unterscheiden: Im einen Fall wird der ganz oder teilweise verhüllte Körper durch den Schleier entpersonalisiert und in ein graphisches Ensemble fließender Linien und weicher Konturen überführt, was aus moralischen Rücksichten geschehen kann oder aber, um das Modell hinter bzw. in der modischen Ware verschwinden zu lassen, die es verkaufsfördernd präsentiert. In diese ‚Ornamentalisierung‘, die die abgebildeten Personen im Extremfall unkenntlich macht, sind fast ausschließlich Frauenkörper einbezogen. Im zweiten Fall dient der Schleier als Accessoire dazu, das flächige Abbild der bloß andeutungsweise erkennbaren Person mit einer psychologischen Tiefe auszustatten. Im Film sind Schleier immer wieder als Mittel der Verbergung, Verhewman Sinclairüllung und Verrätselung eingesetzt worden bei gleichzeitiger Spürbarkeit der Weichheit der Stoffe, ihrer Anschmiegsamkeit, ihrer taktilen Qualitäten. Schleierbilder zeigen in beiden Verwendungsweisen nicht die Dinge selbst, sondern nur ein gefiltertes Abbild, das hochgradig abhängig ist von der spezifischen Materialität, der Dichte, Transparenz und Farbigkeit des Gewebes und seinem Abstand zum verhüllten Körper. Der Schleier ist daher mehr als nur ein fototechnisches Phänomen oder ein Accessoire: er ist eine jener „stummen Verdopplungen“, von denen Christian Metz sprach, an denen sich die Funktionsweisen fotografischer Medien studieren lassen.

Literatur: Endres, Johannes / Wittmann, Barbara / Wolf, Gerhard (Hrsg.): Ikonologie des Zwischenraums. Der Schleier als Medium und Metapher. München: Fink 2005. – Oster, Patricia: Der Schleier im Text. Funktionsgeschichte eines Bildes für die neuzeitliche Erfahrung des Imaginären. München: Fink 2002.