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Schlüsselfilm

(1) Gelegenheitsbildung nach dem Muster des „Schlüsselromans“ (frz.: roman clé, roman à clef; darum auch frz. oft: film à clef). Darunter versteht man einen Roman, der wirkliche Personen und Ereignisse mehr oder weniger maskiert darstellt. Dabei wird über die bloße Ähnlichkeit mit realen Personen weit hinausgegangen. Ein berühmtes Beispiel ist Klaus Manns Roman „Mephisto“ über Gustav Gründgens‘ Rolle im Dritten Reich (verfilmt von Istvan Szabó, 1981); auch etliche andere Romanfiguren sind zeitgenössischen Personen nachgebildet: So sind der General und Dora Martin leicht als Hermann Göring und Elisabeth Bergner wiederzuerkennen. Ein bekanntes Beispiel aus der Filmgeschichte ist Citizen Kane (1941, Orson Welles), dessen Titelheld deutliche Ähnlichkeiten mit dem Zeitungstycoon William Randolph Hearst aufweist. Andere Beispiele sind Fame Is the Spur (1947, Roy Boulting), dessen Held dem Premierminister Ramsay McDonald ähnelt, oder The Carpetbaggers (1964, Edward Dmytryk) über den Unternehmer und Erfinder Howard Hughes. Dem Genre benachbart sind das Biopic (das den Realbezug offen deklariert) und das faktionale Kino, das Realgeschehen reinszeniert. Gleichwohl ist ein Film wie In the Name of the Father (1993, Jim Sheridan) über die Verurteilung der vorgeblichen Täter der IRA-Bombenattentate auf Pubs in Guilford ein Schlüsselfilm im traditionellen Sinne geblieben.

Literatur: Drujon, Fernand: Les livres à clef. Étude de bibliographie critique et analytique pour servir à l‘histoire littéraire. Paris: Rouveyre o.J. – Ferchl, Wolfgang: Zwischen „Schlüsselroman“, Kolportage und Artistik. Studien zur gesellschaftskritisch-realistischen Romanliteratur der 50er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland in ihrem sozialgeschichtlichen und poetologischen Kontext. Amsterdam [...]: Rodopi 1991.

(2) Die Rede vom „Schlüsselfilm“ (nach dem Muster des oft ähnlich verwendeten „Schlüsselwerks“) wird auf solche Werke angewendet, die repräsentativ verschiedene Stilrichtungen, Epochen, Persönlichkeiten visualisieren. Ein Schlüsselfilm erfasst die geistigen Strömungen sowie vor allem die latenten politischen, sozialen und ideologischen Konflikte, die zu einer besonderen Zeit gehören, äußerst getreulich, so dass die Analyse des Films einen Einblick in ein Psychogramm der Zeit des Films gestattet. In seiner Repräsentativität liegen Konditionen, die Schlüsselfilme zum Kanon rechnen. Gleichwohl der Begriff seit nahezu 30 Jahren im Feuilleton verwendet wird, fehlt eine wissenschaftliche Verwendung.
 

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