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Schlüssellochfilm

engl.: keyhole films; selten: Peeping Tom films

Schlüssellochfilme
ist die von Filmhistorikern retrospektiv verwendete Bezeichnung für eine Reihe von Filmen aus der Frühzeit, in denen eine Figur jemanden oder etwas durch ein Schlüsselloch beobachtet. Dieser Topos gehört in den größeren Zusammenhang von Darstellungen des diegetischen Blicks, bei denen meist optische Instrumente wie Ferngläser, Mikroskope oder Lupen eine Rolle spielen und der Gegenstand des Blicks von einer entsprechenden Maske eingefasst wird. Meist geht es dabei um einen voyeuristischen Akt, weshalb bisweilen auch der Ausdruck „Peeping Tom films“ verwendet wird. Typischerweise endet die Handlung mit der Bestrafung des Voyeurs. All diese Filme arbeiten mit einer Point-of-View-Konstruktion und werden daher oft als Vorläufer oder primitive Vorformen der subjektiven Kamera betrachtet und gleichzeitig als frühe Beispiele von Großaufnahmen. Wie zahlreiche Vertreter der Frühfilmforschung wie Tom Gunning oder Elena Dagrada jedoch zu zeigen versucht haben, geht es diesen Filmen aus der Zeit um die Jahrhundertwende nicht darum, diese Konfiguration als narratives Verfahren einzusetzen, sondern vielmehr darum, Attraktionen zu präsentieren. Beispiele für solche Schlüssellochfilme sind: Par le trou de serrure (Pathé, Frankreich 1901), Un coup d’oeil par étage (Pathé, Frankreich 1904), The Inquisitive Booth (Hepworth, Großbritannien 1905).

Literatur: Dagrada, Elena: Between the Eye and the World. The Emergence of the Point-of-View Shot. Brüssel: P. I. E.-Peter Lang i.V. [2012?]. – Gaudreault, André (éd.): Ce que je vois de mon ciné... Paris: Klincksieck 1988.