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Schriftfilm

„Schrift“ und „Bild“ können unabhängig von ihrer Textualität in Konkurrenz zueinander stehen, miteinander harmonieren oder jeweils autonom werden. Dies verbindet sie zu einer Einheit, die in unterschiedlichen Filmformen unterschiedlich funktionalisiert wird, in der Schriften oder die Tätigkeit des Schreibens selbst strukturelle Information tragen können. Seit der Entwicklung der optischen Bank in den 1920er Jahren wird der Schrift-Titel mit dem (photographischen) Bild überblendet und zeitgleich exponiert. Eine ähnliche Entwicklung durchlaufen die Zwischentitel, die zunächst als reine Schrifttafeln konzipiert waren, später um graphische, kalligraphische und ikonische Elemente vermehrt und kompliziert wurden.
Die signifikative Potenz des Titels ist evident, sie wird mittels graphologischer und ikonographischer Qualitäten noch weiter differenziert und angereichert. Schrift ist nicht nur als Darstellung von Sprache aktiv (bis hin zu unbekannten oder erfundenen Schriften), sondern öffnet auf Grund ihrer graphischen Qualitäten ganze Felder intertextuell assoziierter Bedeutungshorizonte – historischer und sozialer, stilistischer und nationaler Kontexte. Insbesondere manche Werbetrailer versuchen, den intertextuellen Reichtum von Schriften dazu zu nutzen, Aufmerksamkeit und Irritation auf den Wahrnehmungsprozess selbst zu lenken.
Die textsemiotischen Funktionen von Schrift sind im Film vielfältig: Sie kann als Zwischentitel-Ästhetik im Stummfilm, als intermediale Codierung im experimentellen Schriftfilm, als Propaganda im Werbefilm usw. eingesetzt werden.
Der „reine Schriftfilm“ oder lettristische Film, der sich meist ganz auf die Darstellung von Schrift und Schreiben begrenzt, entsteht in ersten Spielformen schon den 1920ern, wird Mitte der 1940er zum eigenen Programm erhoben. Seine oft dekorativ wirkenden Formen finden sich gelegentlich auch im Werbefilm.

Literatur: Friedrich, Hans-Edwin / Jung, Uli (Hg.): Schrift und Bild im Film. Bielefeld: Aisthesis 2002. – Paech, Joachim: Vor-Schriften – In-Schriften – Nach-Schriften. In: Sprache im Film. Hg. v. Gustav Ernst. Wien: Wespennest 1994, S. 23-40.

Referenzen