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Schwarzer Humor

engl.: black humor

Erzählform, die tief verwurzelte gesellschaftliche Tabus (Tod, Krankheiten und Behinderungen, Inzest, Kannibalismus, Perversionen etc.) und die damit verbundenen Ängste vor dem Tabubruch lächerlich macht. Die Komik entsteht dabei aus dem Missverhältnis zwischen dem gravierenden Anlass und seiner leichtfertigen Behandlung. Oft hat der schwarze Humor die Funktion, auf gesellschaftliche Phänomene kritisch aufmerksam zu machen; dies kann in (Anarcho-)Komödien, Parodien, Satiren oder Travestien, aber auch in Grotesken sowie im Absurdismus geschehen. Sein Ziel besteht nicht in einem befreienden Lachen, sondern in einem, das dem Publikum im Hals stecken bleibt. Er enthält oft scharfen Zynismus, löst sich nur mit einem Grundgefühl der Bitternis. Er bewegt sich stets an der Grenze des „guten Geschmacks“; genügt er sich selber, überschreitet er sie endgültig und wird vom Publikum in der Regel nicht mehr toleriert. Darüber hinaus funktioniert er nur dann, wenn das Publikum den entsprechenden Code kennt und den schwarzen Humor als solchen erkennt. Hierin gleicht er der Ironie, die, falls unerkannt, wirkungslos am Publikum vorbeizieht. In der Humorforschung ist der schwarze Humor als manchmal drastische Illustration der u.a. von Freud vertretenen Auffassung, Witze dienten als Ventil für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich tabuisierten Bereichen, angesehen worden.

Beispiele: Arsenic and Old Lace (USA 1944, Frank Capra); Dr. Strangelove or How I Stopped Worrying and Love the Bomb (USA 1963, Stanely Kubrick); Eating Raoul (USA 1982, Paul Bartel); Fargo (USA 1995, Joel & Ethan Coen).

Literatur: Hellenthal, Michael: Schwarzer Humor. Theorie und Definition. Essen: Blaue Eule 1989. – Henniger, Gerd: Zur Genealogie des Schwarzen Humors. In: Neue Deutsche Hefte 13, 1966, S. 18-34.