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Scopitone

Kompositum aus griech. skopein ‚betrachten‘ + tónos ‚Ton, Klang‘; wörtlich: ‚Klangbetrachter‘

Seit 1960 vertriebener audiovisueller Apparat der französischen Firma CAMECA (Compagnie d‘applications mécaniques à l'électronique, au cinéma et à l'atomistique); ein Versuch, Jukebox und Kino miteinander zu verknüpfen. Der Benutzer warf ein Geldstück (1 FFr.) ein und konnte dann auf einem über dem Gehäuse für Speicherbänder und Mechanik angebrachten Schirm zu den Klängen des gewählten aktuellen Musikhits ca. 3-4 Minuten lang den Darbietungen des Sängers oder der Sängerin zusehen, die über eine komplizierte technische Vorrichtung von einem Filmstreifen im 16mm-Format in Farbe projiziert wurden. Das Gerät enthielt 36 Filme auf Spulen zu je 30m und konnte 21 davon pro Stunde abspielen. Der (frz. le) Scopitone, der somit zum Vorläufer der heutigen Musik-Videoclips wurde, hatte seine kurze Blütezeit in der ersten Hälfte der 1960er Jahre, als er vornehmlich in französischen Cafés und als Rummelplatzattraktion installiert wurde. 1974 stellte die Firma CAMECA ihren Service ein. Einige der Scopitone-Filme wurden nach 1983 für Musikclips im Fernsehen reaktiviert.
Hunderte von Chansons und Schlagern fanden ihren Weg in die Box, darunter noch heute bekannte Titel von Charles Aznavour, Jacques Brel, Johnny Hallyday, Georges Moustaki, Michel Polnareff, Dalida, France Gall, Françoise Hardy, Mireille Mathieu, Nana Mouskouri, Sylvie Vartan und vielen anderen; beliebte französische Komiker wie Guy Bedos, Fernand Raynaud und Henri Salvador waren ebenso vertreten wie die Schauspielerin Brigitte Bardot in ihrem berühmt gewordenen Clip mit einem Harley-Davidson-Motorrad. Selbst einige Künstler des deutschsprachigen Bereichs wie Udo Jürgens und die Kessler-Zwillinge wurden aufgenommen.
In den 1970er Jahren existierte eine gleichnamige Zeitschrift. Der deutsche Experimentalfilmer Werner Nekes hat einen einstündigen Film über den Scopitone gedreht. Außerdem liegt ein einstündiger Dokumentarfilm von Gerold Hofmann vor – Schuld war nur der Bossa Nova... (BRD 2003).

Literatur: Nekes, Werner: Scopitone: die ersten Musik-Clips. Mühlheim/Ruhr: Nekes-Filmproduktion 1990 [VHS-Videocassette]. – Smith, Jeff: The sounds of commerce: marketing popular film music. New York : Columbia University Press 1998 [S. 131-153: Every gun makes its own tune: Ennio Morricone, The Good, the Bad, and the Ugly, and „L'Esthétique du Scopitone“]. – Zeitschrift: Scopitone. Paris: Scopitone 1974-1981. – Firmengeschichte und Technisches: http://scopitone.free.fr/menu_sco.php.

Referenzen