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Seduktionstheorie des Films

von engl. seduction, frz. séduction = Verführung

Die Seduktionstheorie, die das Medium Film im weiteren Sinne als ein Medium der Verführung definiert, wurde als Ansatz der Filmtheorie explizit von Dianne Hunter 1989 und  und Patrick Fuery  2000 benannt. Entwickelt hat Baudrillard sein Modell der séduction in L’Èchange symbolique et la mort (1976) und De la séduction (1979), wo er mediale Kommunikationsprozesse als ein seduktives (verführerisches) Spiel beschreibt. Der Vorzug der Seduktionstheorie ist es, eine nicht‑normative Betrachtung unterschiedlichster Filme zu begünstigen, den Erkenntnisgewinn zu maximieren und so an einer Überwindung des Kanon‑Denkens zu arbeiten. Nationale Herkunft des Werkes, Entstehungsepoche oder generische Eigenarten stellen nur noch beachtenswerte Nebenaspekte dar, während die Analyse dem spezifischen Werk gewidmet ist und sich an dessen selbst gesetzten Intentionen orientiert. So ist mit einem dreistufigen Seduktionsmodell auch ein Gewinn für die Analyse marginalisierter generischer Filme (Genretheorie, porn studies, cinematic body theory) verknüpft. Allerdings lassen sich auch aus der Seduktionstheorie keine allgemeingültigen Schlüsse im Sinne einer Rezeptionstheorie ziehen, wohl aber bezüglich der Erforschung von schwer oder nicht intellektualisierbaren filmischen Phänomenen: im Bereich extremer Affekte wie Lust, Ekel, Angst und Grauen. Die Seduktionstheorie ist vor allem hilfreich bei der Untersuchung eines performativen Kinos, wie es sich in der letzten Dekade in zwei Varianten ausgeprägt hat: als kommerzielles Eventkino (etwa im 3D‑Bereich) oder andererseits als radikaler Schritt hin zu einem cinéma pur, wie es bereits in den 1930er Jahren gefordert wurde.

Literatur: Fuery, Patrick: New Developments in Film Theory. New York [...]: Macmillan 2000. – Hunter, Dianne (ed.): Seduction and Theory: Readings of Gender, Representation, and Rhetoric, Champaign: University of Illinois Press 1989. – Grace, Victoria: Baudrillard's Challenge. A Feminist Reading. London/New York: Routledge 2001 [2000].

Referenzen