Metainformationen zur Seite

Série Noire

manchmal als „französischer Film Noir“; selten: film noir mélancholique

Ursprünglich eine Detektiv-Romanserie, ist die Série Noire seit den 1950er Jahren das französische Gegenstück zum amerikanischen Film Noir, darf aber nicht mit diesem verwechselt werden. Anders als in der depressiv-bedrohenden Grundstimmung des Film Noir, in dem es meist um die unwillentliche Verstrickung von normalen Bürgern in die Kriminalität und um die Bedrohung des (schwachen) Mannes durch eine (starke) Femme fatale geht, lässt sich die französische Série Noire treffender als „Western der Nacht“ beschreiben (H.C. Blumenberg). Der männliche Einzelgänger ist zwar auch hier der subversiven, das Ich unterminierenden Logik der Nacht unterworfen, aber kein Normalbürger, sondern ein radikal individualistischer Krimineller oder Gangster, der auf isoliertem Posten steht und dessen Feinde nicht nur das Bürgertum samt den dazugehörigen Institutionen und Auswüchsen sind, sondern zu denen auch das organisierte Verbrechen gehört. Jean-Pierre Melvilles Le Samouraï (1967) entwirft den Heldentypus der Série noire villeicht am reinsten: ein schweigsamer Auftragskiller, der zwischen die Interessen von Polizei und Gangstern gerät und am Ende wissend um die Ausweglosigkeit seiner Lage stirbt. Alain Corneaus Série noire (1979) erzählt von einem viel weniger souveränen Helden – erfolglos, filmbesessen, ein wenig verrückt, pausenlos redend, sich in Phantasien flüchtend. Viele der Helden scheitern wie der Held in Du Rififi chez les Hommes (1955, Jules Dassin), der seine Interessen gegen einen anderen Gangster vertreten muss und schließlich beim Versuch, das Kind eines Freundes zu retten, tödlich verletzt wird. Gelegentlich werden Motive des Film Noir wie der falsche Verdacht benutzt (wie z.B. in Le Crâneur, 1955, Dimitri Kirsanoff). Die Série Noire bezieht manchmal komische Elemente mit ein – insbesondere das Klischee des hartgesottenen Einzelkämpfers wird oft parodistisch behandelt.

Referenzen