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Silly Symphonies

Die Idee der frühen Tonfilmverfahren (wie Messters Biophon oder Gaumonts photo scènes) haben die Walt Disney Productions zwischen 1929 und 1939 mit 75 Zeichentrickfilmen aufgegriffen, die als Silly Symphonies bezeichnet werden. Ihnen waren hauptsächlich populäre Tänze und Lieder zugrunde gelegt; die reizvollste Ausnahme ist Farmyard Symphony (1938), deren neun Minuten Walt Disney als „animal opera“ bezeichnet hat. Der Einsatz präexistenter Instrumentalmusik erfolgt – mit herrlicher Virtuosität – ganz nach den Prinzipien der Stummfilmbegleitung. Bereits die erste symphonie (The Skeleton Dance, 1929) war ein durchschlagender Erfolg. Vorbilder waren die zeitgenössischen Theaterformate Pantomime und Vaudeville. Das für die symphonies entwickelte Verfahren des Mickey-Mousing wurde schnell berühmt– die genau mit den sichtbaren Aktionen synchronisierte Musik übernahm darüber hinaus oft auch noch die Aufgabe der Geräusche.

Die Produktion der Silly Symphonies wurde noch vor der ersten Präsentation der Cinéphonies in den USA am 7.4.1939 nach dem 75. Film der Reihe – The Ugly Duckling (Das hässliche Entlein) – eingestellt. Allerdings flossen Impulse der symphonies in Disneys ersten Musik-Langfilm Fantasia (1940, James Algar, Samuel Armstrong) ein. Das Konzepüt wurde von anderen Studios übernommen (Warner Bros.: Merrie Melodies und Looney Tunes, 1930-69) und MGM (Happy Harmonies, 1934-38).

Heute werden die Silly Symphonies wie andere Formen des Musikkurzfilms (wenn auch nicht ihrer Intention und dem Typus der verwendeten Musik nach) als „Vorläufer“ der seit den 1970ern als Promotionsmittel der Musikindustrie in Video und Fernsehen entstandenen Musik-(Video)-Clips angesehen.

Literatur: Merritt, Russell / Kaufman, J.B.: Walt Disney’s Silly Symphonies. A Companion to the Classic Cartoon Series. [Gemona]: La Cineteca del Friuli 2007. – Jaszoltowski, Saskia: Warum Wagner? Musikalische Grenzüberschreitungen in (Zeichentrick‑)Filmen. In: Archiv für Musikwissenschaft 69,,2, 2012, S. 154‑164. – Sullivan, Jack: New World symphonies. How American culture changed European music. New Haven: Yale University Press 1999.

Referenzen