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Simulacrum

von lat. simulacrum = Bild, Traumbild, Trugbild, Phantom

Das Simulacrum ist ein Zeichen ohne Referenz, ein leerer Signifikant, der auf nichts als sich selbst verweist. Ursprünglich das „Traumbild“ in der antiken Literatur und Bildtheorie, führten Barthes (1966) und Derrida (1968) das Simulacrum in die (post-)strukturalistische Theorie des sprachlichen Zeichens ein: Das Verschwinden von Bedeutung im Netz der Signifikanten hinterlässt nach Derridas These eine Spur – „ein Simulacrum des Anwesens“. Jean Baudrillard griff Derridas Gedanken in seiner Simulationstheorie auf, übertrug ihn vom phonetischen auf das audiovisuelle, mediale Zeichen, das ähnlich wie die referenzlosen sprachlichen Zeichen bei Derrida nichts Außermediales mehr bezeichne. Das „Trugbild“, das derartige Gebilde erzeugen, konstruiere nun laut Baudrillard das Wissen über die Realität in der Mediengesellschaft. Das mediale geprägt Bild von Vergangenheit und Gegenwart ersetze damit das Wissen über die Realität. In letzter Konsequenz etablierten die Simulacren eine Hyperrealität, aus der schließlich reale Ereignisse hervorgehen.
Baudrillard illustrierte die simulatorische Macht des Simulacrums u.a. mit Historienfilmen wie Bertoluccis Novocento (Italien 1976), Kubricks Barry Lyndon (Großbritannien 1975) oder Verschwörungsfilmen wie Peter Hyams‘ Capricorn One (USA 1978) und Allan J. Pakulas All the President’s Men (USA 1976).

Literatur: Barthes, Roland: Die strukturalistische Tätigkeit. In: Kursbuch 5, Mai 1966, S. 190-196. Frz. Orig. 1964. Zahlr. Nachdr. – Derrida, Jacques: Die différance. In: Randgänge der Philosophie. Wien: Passagen 1988, S. 29-52. Orig.: La différance. In: Marges de la philosophie. Paris: Minuit 1972, S. 1-30. Dt. auch in: Postmoderne und Dekonstruktion. Texte französischer Philosophen der Gegenwart. Hrsg. von Peter Engelmann. Stuttgart: Reclam 1990, S. 76-113. – Baudrillard, Jean: Simulacra and Simulation. Ann Arbour: University of Michigan Press 2002. – Wetzel, Michael: Paradoxe Intervention. Jean Baudrillard und Paul Virilio: Zwei Apokalyptiker der neuen Medien. In: Baudrillard. Simulation und Verführung. Hrsg. v. Ralf Bohn & Dieter Fuder. München: Fink 1994, S. 139-154.

Referenzen