Metainformationen zur Seite

soap / soap opera

auch: soapie, sudser; dt.: Seifenoper, Endlosserie, Daily Soap, Soap

Im Amerikanischen in den 1930er Jahren aufgekommene Bezeichnung für serielle Radio- und später Fernsehsendungen, die das Leben und soziale Umfeld „einfacher Bürger“ dramatisieren bzw. fiktionalisieren. Sie geht ursprünglich auf die episodische Radioserie The Goldbergs (NBC/CBS 1929-1950, als Live-TV-Komödienserie 1949-1954, in 39 Episoden 1955 verfilmt) über das Leben einer jüdischen Familie in der Bronx zurück, die vom Seifen- und Waschmittelhersteller Proctor & Gamble gesponsert wurde (engl. soap = ‚Seife‘, woher sich die Bezeichnung erklärt). Die ersten TV-Soap Operas in den USA – allerdings mit eher lokaler Verbreitung – waren im Sommer 1946 die 13 Folgen von War Bride (WRGB) über einen heimgekommenen GI und – mit Voice-Over-Erzählerin –, die US-Romanze Faraway Hill (DuMont) über die Verwicklungen einer vermögenden New Yorker Witwe auf dem Land, die 1946 für 11 Wochen in jeweils 30minütigen Folgen ausgestrahlt wurde. Frühe erfolgreiche Fernseh-Soaps waren die – bis heute weiterproduzierten – britischen Serien The Archers (1951ff) und Coronation Street (1960ff).
Soaps, die vornehmlich das TV-Nachmittags- und Vorabendprogramm füllen und zu festen Terminen, häufig täglich („Daily Soap“), gesendet werden, zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Personal zahlenmäßig überschaubar bleibt, periodisch in Folgen wieder erscheint und sowohl sozial wie dramaturgisch miteinander verknüpft ist. Derartige Konstellationen ermöglichen die Permutierung emotionaler und melodramatischer Stoffe, erlauben Verwicklungen und Finten, die den meist treuen Zuschauer zum Fachmann und Connaisseur macht, wenn er den Überblick nicht verlieren und beim wichtigen nachbereitenden Austausch der peer group über den Fortgang des Handlungsnexus mitreden können will. Hickethier (2003) unterscheidet fernsehgeschichtlich für den deutschen Bereich die beiden für Soaps relevanten Grundtypen (1) Serie mit abgeschlossenen Folgehandlungen mit Rückgriff auf vergangene Lebenswege und (2) Fortsetzungsgeschichte mit den Varianten (a) Familiensaga, (b) Staffelserie, die über einen jeweils begrenzten Zeitraum berichtet, und (c) langlaufende Fortsetzungsgeschichte, die ihre Geschichte potentiell unendlich fortsetzen kann. In einer dritten Gruppe treten Mischtypen hinzu, so die mehrsträngig verknüpfte Serie mit „Zopfdramaturgie“ (Lindenstraße, ARD 1985ff.), die genremischende Serie (etwa Die Fussbroichs, WDR [1979-]1991-2000) und die gattungsmischende sogenannte Reality Soap (z.B. Big Brother, RTL2 2000-2004) oder auch die Docu-Soap mit seriellen Reportagen über Alltags- und Berufsleben.
Seltener wird die Bezeichnung für sentimentale bis rührselig-kitschige Spielfilme verwendet.

Literatur: Hickethier, Knut: Serie. In: Handbuch Populäre Kultur. Hrsg. v. Hans-Otto Hügel. Stuttgart/Weimar: Metzler 2003, S. 397-403, bes. 400-402. – Hobson, Dorothy: Soap opera. Cambridge, UK: Polity Press / Malden, MA: Blackwell 2003 [zu brit., amer. u. austral. Soaps]. – Landbeck, Hanne: Generation Soap. Mit deutschen Seifenopern auf dem Weg zum Glück. Hrsg. v. Filmmuseum Potsdam. Berlin: Aufbau Verlag 2002.

Referenzen