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Softporno

im Dt. oft auch: erotischer Film, Sexfilm; engl.: sex film, softcore

Wie der pornografische Film eine Sparte Film, die größtenteils über eine eigene Filmindustrie, eigene Verleihsysteme und eigene Stars verfügt. Wie dort dominieren fragmentierende Groß- und Detailaufnahmen, sind die ProtagonistInnen weitgehend anonym und austauschbar, ist die Handlung auf ein Minimum reduziert. Die narrative Struktur folgt meist dem Nummernprinzip von Aneinanderreihung und Variation, motiviert als Reisen, Mitgliedschaft in geheimen Clubs, manchmal sogar als Erzählung von Trauminhalten (wie in den Filmen der Emmanuelle-Reihe, beginnend mit Emmanuelle, Frankreich 1974, Just Jaeckin). Es geht nicht um das Erzählte, sondern um das Gezeigte, das die Funktion hat, das Publikum körperlich zu stimulieren. Anders als der pornografische Film darf der Softporno in herkömmlichen Kinos und am Fernsehen gezeigt werden unter der Bedingung, dass er auf expliziten hardcore (real vollzogene Sexualakte) verzichtet: indem er einschlägige Körperteile hinter knappen Gewändern versteckt oder die Kameralinse punktuell trübt. Damit verlagert sich das Gewicht auf erotische Fotografie, viel Suggestion sowie An- und Auskleideszenen, die die Fantasie anheizen sollen. Mit der Industrialisierung der Pornoindustrie hat sich die kostensparende Praxis eingebürgert, von Hardcorepornos gleichzeitig eine Softversion herzustellen – durch andere Kameraperspektiven und durch die Tilgung unerlaubter Einstellungen am Schneidetisch, wobei die so entstandene Kürzung des Films durch den ausgiebigen Einsatz von slow motion kompensiert wird.

Literatur: Seeßlen, Georg: Erotik : Ästhetik des erotischen Films. 3., überarb. und aktual. Neuaufl. Marburg: Schüren 1996.
 

Referenzen