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sozialistischer Realismus

Dogmatische Stilbewegung mit Totalitätsanspruch, die auf dem ersten Allunionskongress der sowjetischen Schriftsteller (17.8.-1.9.1934) per Dekret als Reaktion auf den russischen und sowjetischen Formalismus begann und 1953 mit Stalins Tod größtenteils endete. Dem „Intellektualismus“ und der Ästhetisierung der Kunst der 1920er wird eine von der kommunistischen Regierung kontrollierte, an ideologischer Vermittlung orientierte und allgemein verständliche, „realistische“ Filmdramaturgie entgegengesetzt. Es geht um Probleme der zeitgenössischen sozialen „Wirklichkeit“, der Arbeit und des Klassenkampfs, des Aufbaus der neuen Gesellschaft und gelegentlich auch um didaktisch ergiebige, historische Themen. Die sozialistisch-realistischen Geschichten des Films werden in glatten und einfach konstruierten Fiktionen mit schemenhaften Plots dargeboten, deren typisierte Helden wenig individuelle Züge aufweisen. Die meisten Filme haben aufgrund ihrer ideologischen Einbindung eine idealisierende und optimistische Tendenz. Ihre Hauptfunktion liegt in der Regel in der Erziehung zu und Bildung von sozialistischen Idealen. Dass der sozialistische Realismus vor allem in der Sowjetunion gepflegt wurde, schloss nicht aus, dass auch in anderen sozialistischen Ländern entsprechende Filme entstanden sind.

Beispiele: Tschapajew (UdSSR 1934, Sergej u. Georgij Wasiliew); Detstwo Gorkowo (UdSSR 1938, Mark Donskoj); Moi universiteti (UdSSR 1940, Mark Donskoj).

Literatur: Traumfabrik Kommunismus. Die visuelle Kultur der Stalinzeit. Hrsg. v. Boris Groys u. Max Hollein. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 2003. – Christ, Thomas: Der sozialistische Realismus. Betrachtungen zum sozialistischen Realismus in der Sowjetzeit. Basel: Wiese-Vlg. 1999. – Schmulévitch, Éric: Réalisme socialiste et sinéma. Le sinéma stalinien (1928-1941). Paris: L’Harmattan 1996.