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stock figure

manchmal auch eingeschränkter: Hollywood stock figure; dt. etwa: Figurenstereotyp

Vor allem in der Untersuchung der rassistischen Strategien des Hollywood-Erzählens der klassischen Zeit (bis in die 1950er hinein) sind mehrfach Figurenstereotypen identifiziert worden, in denen sich die ethnische und rassische Ordnung der Hollywood-Welt sozusagen zu höchster Prägnanz verdichtet. Die „Mammy“ etwa – die meist ältere, füllige Negerin, die sich für die Kinder, die ihr anvertraut sind, aufopfert und die ihrerseits für die Kinder wie keine zweite Figur die Sicherheit und Geborgenheit der Familie repräsentiert – ist neben der „Onkel-Tom-Figur“ eine der auf das Wesentliche konzentrierten Personalisierungen der US-amerikanischen Sklavengesellschaft. Vor allem zur Bestimmung der sexuellen Ordnung der Hollywood-Realität spielen stereotype Figuren eine wichtige Rolle. Die mexikanische oder indianische Frau etwa, die jungen weißen  Männern eine sexuelle Initiation ermöglicht, dann aber zugunsten einer weißen, ethnisch und sozial angemessenen Partnerin zurückgesetzt wird, rechnet zu den stock figures (und findet sich noch in Filmen neueren Datums wie etwa dem Disco-Film Grease, USA 1978, Randal Kleiser). Eine Figur, an der deutlich wird, dass schon in der Charakterisierung der stock figures eine perspektivierte Wahrnehmung und Wertung der Figur enthalten ist, ist der in der Regel schwarze junge Mann, der für eine junge Frau eine derartige sexuelle Bedrohung darstellt, dass sie Selbstmord verübt (man denke an den Western The Girl and the Greaser, 1913, Lorimer Johnston, oder an David Wark Griffiths The Birth of a Nation, USA 1915). In aller Regel warnen Hollywood-Filme vor interrassischen und interethnischen sexuellen Beziehungen – sie enden nach dem Muster der Romeo-und-Julia-Geschichte fast immer tragisch (wie in West Side Story, USA 1961, Robert Wise, oder noch in China Girl, USA 1987, Abel Ferrara).
Die Rede von Figurenstereotypen wird aber nicht nur im Rassismus-Diskurs geführt, sondern ist natürlich von viel weiterer Bedeutung.

Literatur: Loukides, Paul (ed.): Stock characters in american popular film. Bowling Green, Ohio: Bowling Green State University Popular Press 1990. – MacNab, Geoffrey: Searching for Stars. Stardom and Screen Acting in British Cinema. London/New York: Cassell 2000, S. 104-142. – Starke, Catherine Juanita: Black portraiture in American fiction ; Stock characters, archetypes, and individuals. New York [...]: Basic Books 1971.
 

Referenzen