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subception

Während sich die Pantomime ihrer Stimmlosigkeit bewusst ist, tut der Stummfilm so, als könnte man die Figuren sprechen (und singen) hören, da die Figuren des Stummfilms sich gegenseitig problemlos hören können. Für den Stummfilm-Zuseher bedeutet dies, dass er mit der Arbeit der auditiven Imagination beauftragt wird. So, wie beim Radiohören die Stimme des Sprechers um eine diffuse und gleichwohl präsente Imagination seiner Person entworfen wird, ergänzt der Zuschauer des Stummfilms imaginierend die Stimmen der Sprechenden (resp. der sich vokal äußernden Figuren) um Qualitäten der Stimme und des Vortrags ebenso wie um Inhalte, die gesprochen werden (und die im Zwischentitel in meist nur verkürzter und stilisierter Form wiedergegeben werden). Die Stimmen der Figuren sind Implikationen, die in der Rezeption formal ergänzt werden. Diegetischem Ton und Musik zu sehen, evoziert das (imaginäre) Hören des- bzw. derselben. Dieser Effekt wird Subception genannt und gehört einer weitestgehend vorbewussten subliminalen auditiven Rezeption an.

Literatur: Nasta, Dominique: Setting the Pace of a Heartbeat. The Use of Sound Elements in European Meldodramas before 1915. In: Abel, Richard / Altman, Rick (eds.): The Sounds of Early Cinema. Indiana: Indiana University Press 2001, S. 95-109. – Szaloky, Melinda: Sounding Images in Silent Film: Visual Acoustics in Murnau's Sunrise. In: Cinema Journal 41,2, Winter 2002, S. 109‑131. – Tieber, Claus: Zur Inszenierung der Stimme. In: Auslassen, Andeuten, Auffüllen. Der Film und die Imagination des Zuschauers. Hrsg. v. Julian Hanich u. Hans J. Wulff. München: Fink 2012, S. 191-204.