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surprise ending

dt. etwa: überraschendes Ende

Eine spezielle Form des Film-Endes, die häufig geschlossenen Formen zugeordnet werden kann, stellt das surprise ending dar. Die von Filmhistorikern bisweilen mit Alfred Hitchcock in Verbindung gebrachte, tatsächlich jedoch erheblich ältere Technik, durch eine veränderte oder neue Information kurz vor dem Ende der Erzählung zentrale Umstände der Diegese zu verändern und somit eine Überraschung beim Zuschauer hervorzurufen, ist eng verwandt mit dem twist ending und nicht immer trennscharf davon zu unterscheiden. Tatsächlich kann man das twist ending als eine besonders radikale Form des surprise endings beschreiben, weshalb es als Vergleichskategorie stets mitgedacht werden muss.

Der Begriff surprise ending findet häufig in Dramaturgie-Handbüchern sowie Lehr- und Lesebüchern Verwendung. Überhaupt scheint das Surprise Ending vor allem in der englischsprachigen Literaturwissenschaft als Begriff verbreitet zu sein: Benfey bezeichnet die angelsächsische Fin-de-Siècle-Literatur als „Zeitalter des Surprise-Endings“, das eine Erfindung von Poe und Maupassant gewesen sei. Bisweilen wurde das surprise ending mit den Kriminalromanen Hammetts und Chandlers in Verbindung gebracht.

Plantinga liefert eine umfassendere Definition und eine aufschlussreiche Typologie des surprise ending: Die Überraschung fungiert als Abweichung von konventionellen Strategien der Textschließung – wenn alle Enden gleich wahrscheinlich wären, gäbe es kein surprise ending. Es habe nach Pantinga drei Eigenschaften: Es weiche vom Erwarteten ab, biete eine unvorhergesehene Problemlösung an und beantworte eine narrative Frage auf eine unkonventionelle Weise. Generell hebe es narrative oder genrebezogene Konventionen oder allgemeines Weltwissen auf.

Literatur: Benfey, Christopher: American audacity. Literary essays North and South. Ann Arbor, Mich.: University of Michigan Press 2008. – Plantinga, Carl (2009) Frame Shifters: Surprise Endings and Spectator Imagination in The Twilight Zone. In: Philosophy in The Twilight Zone. Ed. by Noël Carroll & Lester H. Hunt. Chichester: Wiley-Blackwell 2009, S. 39-57. – Schulz-Buschhaus, Ulrich: Funktionen des Kriminalromans in der postavantgardistischen Erzählliteratur. In: Der Kriminalroman. Poetik – Theorie – Geschichte. Hrsg. v. Jochen Vogt. München: Fink 1998, S. 523-548. - Strank, Willem: Twist Endings. Umdeutende Film-Enden. Marburg: Schüren 2014.