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Synchronisation II: Übersetzung

engl.: dubbing, film synchronization

Die Übertragung eines fremdsprachigen Films in die jeweilige Landessprache nennt sich Synchronisation. Nach der Einführung des Tonfilms gab es zunächst eine Phase der Tonversionen, bei denen der gleiche Film mehrfach in verschiedenen Sprachen gefilmt wurde. Erst einige Jahre später bürgerten sich parallel zueinander verschieden Verfahren der Filmübersetzung ein: neben Untertitelung und Übersprechung entstand v.a. in Deutschland das Verfahren der eigentlichen Synchronisation, bei dem nur der Sprechteil neu angelegt wurde. Für eine solche Übersetzung wird ein Dialogbuch erarbeitet, das darum bemüht ist, die Silbenstruktur des Originals möglichst zu erhalten und auch typische Arten der Mundöffnung in der Übersetzung zu beachten.
Bedeutungsverschiebungen lassen sich oft nicht vermeiden. Unter der Anleitung des Synchronregisseurs sprechen die Schauspieler die neuen Dialoge so analog zur Lippenbewegung des Originals wie möglich. Der Tonmeister kombiniert sodann das Dialogband mit den Musik- und Geräuschbändern, die oft nicht unverändert bleiben können und ebenfalls im Synchronstudio nachbearbeitet werden müssen.
Die Synchronisation stößt nicht nur auf Zustimmung. Insbesondere ist eingewendet worden, dass die Veränderungen zu groß seien und an Verfälschungen grenzten. So ist in der deutschen Synchronfassung von Rosselinis Roma, città aperta (1943-45) aus den tedesci des Originals im Deutschen (1961) das allgemeine Die Faschisten geworden. Tatsächlich haben manche Synchronisationen ganze Geschichten verändert. Die Nazi-Bande in Hitchcocks Notorious (1946), die Uranpulver in Weinflaschen aufbewahrt, wird in der Erstsynchronisation Weißes Gift (1947) zu einer Rauschgiftbande, Uran wandelt sich zu Heroin. Erst 1969 hat das ZDF eine Neusynchronisation veranlasst (Berüchtigt), die zu der Erstbedeutung zurückgekehrt ist. Diese Differenzen haben keine technischen, sondern politische oder moralische Ursachen.
Das Verfahren der Synchronisation ist besonders in Deutschland, Österreich, Spanien und Italien verbreitet. In anderen Ländern (wie den Beneluxländern oder den skandinavischen Staaten) werden dagegen Untertitel benutzt. Im ehemaligen Ostblock waren die Verfahren des Übersprechens verbreitet, bei denen man den Originalton hört, über den aber eine oft erzählende, dialogreportierende Stimme gelegt ist. In den USA und Großbritannien sind fast keine synchronisierten Filme zu sehen.

Literatur: Fodor, Istvan: Film dubbing. Phonetic, semiotic, esthetic and psychological aspects. Hamburg: Buske 1976. – Herbst, Thomas: Linguistische Aspekte der Synchronisation von Fernsehserien. Phonetik, Textlinguistik, Übersetzungstheorie. Tübingen: Niemeyer 1994. – Maier, Wolfgang: Spielfilmsynchronisation. Frankfurt [...]: Lang 1997.
 

Referenzen