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Synekdoche

auch: Synecdoche; griech. für „das Mitverstehen“ (aus altgriech. syn- ‚zusammen, mit‘ + ek-doché ‚die Aufnahme [mittels eines Gefäßes]‘).

Eine allgegenwärtige rhetorische Trope (Redefigur), eine uneigentliche, indirekte Redeweise, bei der der eigentlich gemeinte Begriff entweder durch einen in seinem Bedeutungsumfang weiteren (generalisierende Synekdoche, Totum pro parte) oder durch einen entsprechend engeren (partikularisierende Synekdoche, Pars pro toto) ersetzt wird. In semiotischer Verwendung gehört die Synekdoche zu der Zeichenklasse der Indices (Indizes), die auf etwas anderes verweisen, zu dem sie in direkter Beziehung stehen.
Im Film – einem bereits technisch bedingt synekdochisch verfahrenden Medium – werden Nahaufnahmen und Bildausschnitte (Pars pro toto) bzw. Totalen und Massenszenen (Totum pro parte) häufig zur Visualisierung synekdochischer Verhältnisse verwendet. Ein Rad steht dann für das ganze Auto oder für einen Eisenbahnzug, ein Stiefel für den Soldaten, Bilder marschierender Kolonnen oder flüchtender Trecks verweisen auf das Schicksal des einzelnen Soldaten oder der Siedlerfamilie.
Von der Metonymie ist die Synekdoche nur schwer abzugrenzen; gelegentlich wird sie als spezielle Unterart der Metonymie angesprochen. Als Faustregel mag gelten, dass bei der Synekdoche das mit dem materiellen Zeichenträger Gemeinte tatsächlich Teil dessen ist, worauf verwiesen wird (so, wenn im Film ein Kuss synekdochisch verwendet wird und dann für den Geschlechtsakt steht, zu dem er als Teil der sexuellen Gesamthandlung gehört, oder wenn die Brille des Kapitäns nach dem Angriff auf den Kapitän auf der Brücke der Potemkin zurückbleibt – als synekdochischer Hinweis auf den Beginn der Revolution).
Als filmgeschichtlich bedeutendes Beispiel, das die komplexen Übergänge zwischen Synekdoche, Metonymie und Metapher experimentell auslotet, wird oft Luis Buñuels Un Chien andalou (1929) genannt.

Literatur: Nerlich, Brigitte / Clarke, David D.: Synecdoche as a cognitive and communicative strategy. In: Blank, Andreas / Koch, Peter (Hrsg.): Historical semantics and cognition. Berlin / New York: Mouton de Gruyter 1999, S. 197-214. – Verhoeff, Nanna / Warth, Eva: Rhetoric of space: cityscape/landscape. (Non-fiction film in early cinema). In: Historical Journal of Film, Radio and Television 22,3, 2002, S. 245-251.

Referenzen